„Jetzt ist er wieder stur.“ „Zeig ihr, wer der Boss ist.“
Solche Sprüche hört man oft in der Reiterwelt. Das Pferd gilt als dominant, bockig oder ungehorsam — und wir sollen es bloß nicht „gewinnen“ lassen.

Doch wie Robyn einmal sagte: Was ist hier eigentlich zu gewinnen?

Wenn ein Pferd nicht tut, was wir möchten, fragen wir selten: Was hat es davon?
Wenn es ungehorsam ist folgen unangenehme Bewegungen, Schimpfen, wir machen Druck. Warum sollte das Pferd diesen unangenehmen Weg wählen, wenn Gehorsam einfacher wäre?

Manche sagen: „Dann darf es zurück zur Herde und fressen.“
Doch Pferde fressen zwar gern, aber nicht rund um die Uhr. Sie leben gern in einer Herde auf der Weide, doch auf Dauer ist auch das langweilig.
Wichtiger ist die Frage: Warum ist es für das Pferd schöner, woanders zu sein als bei uns?

Bei diesem Kampf gibt es keine Gewinner. Der Mensch erreicht vielleicht sein Ziel — doch Vertrauen geht verloren. Für das Pferd bleibt die Erfahrung, nicht gesehen, gehört oder verstanden zu werden.

Und was gewinnt der Mensch? Jemandem gezeigt zu haben, wer hier überlegen ist?
Das wissen die Pferde schon. Wir bestimmen ihren kompletten Alltag. Ist das es Gefühl, dass du suchst, wenn du zum Pferd gehst?

Für mich bedeutet Arbeit mit Pferden eine Win-Win Situation zu schaffen. Das Bedeutet: Wir beide gewinnen.
Wenn ein Pferd nicht mitmacht, werde ich zum Detektiv und suche nach Ursachen:

  • Hat es Schmerzen oder körperliche Probleme?
  • Hat es die Aufgabe wirklich verstanden?
  • Hat es Angst?

Ein Pferd, das sich gesehen und unterstützt fühlt, wird zum verlässlichen Partner.
So oft hab ich es erlebt. Wenn das Pferd erkennt dass ich auf sein Wohlergehen achte, dann achtet es auch auf meins.
Wir Menschen treffen sowieso alle Entscheidungen: Haltung, Training, Futter, Gesellschaft etc. wir entscheiden ALLES. Lasst uns Entscheidungen treffen durch die beide Seiten glücklicher werden – bei denen sich das Pferd ebenso als „Sieger“ fühlt, wie wir.
Daraus entstehen echte Partnerschaften.