Das sagen neue Schüler manchmal zu mir, wenn ich sie frage, wonach sie beim Reiten suchen und wobei ich sie unterstützen kann.

Dann frage ich zurück:

Wie willst du reiten, ohne zu denken?

„Alles Handeln beginnt im Denken.“, sagte Moshe Feldenkrais.

Wenn ich nicht darüber nachdenke, was ich als Nächstes reiten möchte, wie ich meinem Pferd mitteile, was ich will, und ihm zuhöre, ob es mich verstanden hat oder noch eine andere Unterstützung braucht – wie will ich dann gut reiten?

„Einfach mal machen“, sagen dann viele.

Okay. Aber was machen? Und noch wichtiger: Wie?

Ohne Plan und Reflexion kann ich nicht gut reiten. Reiten ist für mich ein wacher Prozess, in dem ich achtsam und konzentriert bin – zumindest beim Reiten in der Bahn.

Im Gelände ist das anders. Wenn ich einfach den Wegen folge, nur kurz mit meinem Pferd bespreche, welche Gangart wir wählen, und dann frei vorwärts reite, darf mein Blick schweifen und meine Gedanken auch. Dann kann ich mich ganz dem gemeinsamen Gefühl hingeben.

Doch in der Bahn, wo ich ständig neue Entscheidungen treffe – über Richtung, Gangart, Tempo und Lektion –, wo ich spüren möchte, wie zufrieden mein Pferd ist, wie gesund es sich bewegt und was in diesem Moment für uns beide sinnvoll ist, komme ich nicht weit, wenn ich meinen Kopf ausschalte.

ZER-denken – also alles ständig infrage zu stellen und während des Reitens die unterschiedlichen Lehrmeinungen im Kopf zu diskutieren – ist dagegen tatsächlich ZER-störend.

Das theoretische Abwägen, welcher Ansatz der richtige ist, verlegt man besser auf die Zeit ohne Pferd. Auf dem Pferd zählt die Praxis. Dort zählt das Spüren: Was bewirkt meine Hilfe? Was verändert sich? Was fühlt sich für mein Pferd gut an?

Das Gehirn darf dabei gerne eingeschaltet bleiben.

Nur so kann ich wahrnehmen, was wie wirkt, und mir von meinem Pferd erklären lassen, was ihm guttut und was es stört.

Die Antwort kommt immer. Man muss nur bereit sein, sie mit offenem Geist zu hören.

Und dann darf man auch daran denken, das Gelungene abzuspeichern, damit hilfreiche Wege immer leichter erinnert und wiedergefunden werden.

Automatisch sollte Reiten nie werden. So wenig, wie ich einen liebevollen Dialog mit einem Menschen automatisch führen möchte, so wenig möchte ich den Dialog mit einem Pferd automatisch führen.

Immer achtsam.

Bewusst.

Liebevoll.

Klar.

Respektvoll.

Und das geht nur mit Herz und Hirn.

Also: Denkt ruhig weiter, wenn ihr mit mir reitet.

Bild: KI-generiert