Wie ich experimentiere und neben meiner Körperwahrnehmung auch meine Möglichkeiten schule – am Beispiel des Angaloppierens.
Laufen und Reiten sind sehr ähnliche Bewegungsabläufe. Als Reiter spiegeln wir die Laufbewegung des Pferdes. Deshalb kann ich auch das Joggen gut als Übungsmittel fürs Reiten nutzen.
Wenn ich bergab laufe, fällt es mir leicht, in den Galopp zu wechseln. Dabei fällt mir auf: Ich wähle fast immer dieselbe Hand.
Neugierig probiere ich die andere aus. Wo bin ich unbequemer? Was fällt mir weniger leicht?
Je deutlicher ich den Unterschied spüre, desto weniger wundere ich mich, dass auch mein Pferd mit mir eine Hand bevorzugt.
Ich erinnere mich an Sally Swifts Übung: Arm hoch – und es verbessert sich.
Natürlich probiere ich beide Seiten aus. Veränderungsmöglichkeiten sind immer interessant, auch da, wo es schon gut ist.
Ich spüre, dass sich mein Hüftgelenk auf einer Seite nicht so leicht beugt oder mein Brustkorb sich nicht so gern dorthin dreht.
Dieses Körpergefühl, die Wahrnehmung dessen, was man gerade tut, ist ein Ziel der Feldenkrais Methode !
Was hat denn mein Brustkorb mit Galopp zu tun?
Ich laufe weiter, jetzt im Trab, laufe Slalom um Bäume, lege Volten an und beobachte meine Bewegungen. Wieder erkenne ich dieselbe Einseitigkeit. Selbst beim Geradeauslaufen dreht sich mein Becken lieber nach links, und mein linker Fuß geht weiter nach vorne als der rechte.
„Mhh, ich habe Taktfehler.“
Wie schön wäre es jetzt, jemanden für Tellington-Beinkreise oder ein paar Zick-Zack-TTouches am Rücken zu haben. Aber ich bin allein. Also ab nach Hause und auf die Feldenkrais-Matte!
Auf der Matte weiterforschen
Auf dem Rücken liegend spüre ich meine Auflagefläche. Was liegt rechts anders auf als links? Schon in den Fersen, den Beinen, im Becken und an den Schulterblättern erkenne ich Unterschiede.
Ich beginne eine kleine Feldenkrais-Lektion.
Mein Becken rollt ein wenig nach rechts und zurück zur Mitte, dann nach links. Welche Seite ist leichter?
Ich beginne mit der linken, der Seite, zu der mein Becken lieber rollt. Ich schlage das linke Bein über das rechte und lasse die gekreuzten Beine nach links sinken.
Nur so weit, dass ich sie mühelos zurückbringen kann.
Ich beobachte, wie sich mein Becken dreht und wie die Bewegung durch den Körper weiterläuft. Was folgt dem Becken? Wie weit hinauf in den Brustkorb kann ich die Bewegung verfolgen? Wann möchte meine Schulter mitgehen?
Ich forsche langsam und mit wenig Anstrengung. Meine Aufmerksamkeit wandert zu den Rippen, zur Atmung, zu den Schulterblättern und zum Kopf.
Je weniger ich mich anstrenge, umso feiner kann ich wahrnehmen. Genau wie bei der Arbeit am Pferd.
Dann Pause.
Ups, ich liege anders! Mein Kontakt zum Boden hat sich verändert. Manches liegt voller und weicher auf. Offenbar haben sich Spannungen gelöst, die meinen Körper zuvor vom Boden weggehalten haben.
Die andere Seite will das jetzt auch. Also forsche ich dort weiter und entdecke, wie unterschiedlich ich mich bewegen kann.
Was macht der Schultergürtel?
Nun probiere ich etwas Ähnliches mit den Armen. Hände zur Decke, Arme lang, Hände wie zum Klatschen aneinandergelegt.
So bilde ich ein Dreieck aus Armen und Schultergürtel. Ich neige es zu einer Seite, ohne seine Form zu verändern. Dafür muss eine Schulter den Boden verlassen.
Was folgt jetzt dem Dreieck? Was tut mein Rücken, was mein Brustkorb, was mein Kopf?
Ich entdecke, wie sich die Bewegung verändert, wenn ich die Arme lang lasse und nicht einfach den Ellenbogen beuge.
Nach einer Pause erforsche ich die andere Seite. Allmählich wird die Bewegung größer, wie von selbst. Und irgendwann spüre ich sogar an meinem Becken ein Echo der Bewegung.
Die Verbindung zwischen Schulter und Becken wird deutlich.
Also spiele ich mit dieser Verbindung: linkes Bein über das rechte, Armdreieck herstellen und beide gemeinsam nach links sinken lassen.
Was passiert zwischen den beiden großen, starken Bereichen Schulter und Becken? Was tut mein Rücken? Wohin will mein Kopf rollen?
Dann verändere ich das Experiment: Die Beine sinken nach links, der Kopf rollt in die Gegenrichtung.
Was verändert sich dadurch?
Ich lasse mir Zeit, vergleiche immer wieder beide Seiten und gönne meinem Gehirn die Pausen, in denen Lernen stattfindet.
Und was verändert sich im Galopp?
Am Ende liege ich noch einmal auf dem Rücken und spüre meine neue Auflagefläche. Wie ist das Verhältnis der rechten zur linken Seite? Wo liege ich weicher, voller oder leichter auf?
Dann rolle ich zum Sitzen und Stehen. Wie bequem stehe ich? Wie leicht kann ich mich nach rechts und links drehen?
Ich gehe ein wenig herum, mache kleine Kreise in beide Richtungen und spüre nach.
Im Gehen sind feinere Unterschiede zu erkennen als im Laufen. Ich habe mehr Zeit.
Dann stelle ich mir vor, anzugaloppieren. Einmal Rechtsgalopp, einmal Linksgalopp.
Wie viel Leichtigkeit habe ich nun? Ist die Bewegung klarer geworden?
Ich lasse mir Zeit, auch auf dem Weg zum Stall. Denn jetzt möchte ich auf dem Pferd spüren, wie sich meine neu entdeckten Möglichkeiten aufs Reiten auswirken.
Und bei der Volte im Galopp kann ich bald herausfinden, ob ich die Leichtigkeit und gute Qualität auf beiden Händen gefunden habe.
Manchmal beginnt die Veränderung im Galopp eben nicht im Sattel, sondern mit neugierigem Forschen auf der eigenen Feldenkrais-Matte.
Für das Pferd ist es angenehm, wenn wir uns vor dem Satteln ein paar Minuten Zeit für TTouches nehmen.
* Das Lecken der Kuhzunge unterstützt das Gefühl von Verbindung im Brustkorbbereich, fördert die Atmung und kann das Pferd darin unterstützen, den Rücken zu längen. * Schweif-TTouches können bei angespannten Muskeln der Oberlinie für mehr Loslassgelassenheit sorgen und so Beweglichkeit und Tragfähigkeit fördern. * Ohr-TTouches unterstützen Konzentration, Kreislauf und Gelassenheit * Beinkreise lassen sich wunderbar in das Hufeauskratzen einbauen. Sie und andere TTouches an den Beinen wirken – je nach Ausführung – beruhigend oder aktivierend. Sie erden und fördern gleichzeitig die Körperwahrnehmung. Dadurch können sie Stolpern und Schlurfen vermindern. * Der Pythonheber fördert die Entspannung in vielen Bereichen. * Zickzack- und Regenbogen-TTouches wirken dagegen eher aktivierend und wecken das Pferd auf. * Mähne gleiten, senkrecht nach oben ausgeführt, hilft den Hals zu entspannen. * Bauchheber unterstützen den Atem und das Zusammenspiel von Bauch und Rückenmuskulatur Im Video zeige ich euch Bauchheber mit dem Tellington Körperband. Das ist gut für Pferde die viel Streß mit Gurten haben, man fühlt jedoch weniger das Ausdehnen. Das spürt man dann nur im Rücken, unterm Arm, oder sieht es, an den Rippen und an den Rückenmuskeln. Beim Satteln können wir die dann auch gut mit dem Gurt direkt machen. Hast du schon mal den Atem deines Pferdes beim Satteln beobachtet? Hält es die Luft an, oder atmet es ruhig weiter? Wenn es gut weiter atmet kannst du das am Gurt spüren, wenn du ihn annimmst und einen Moment still hältst. (Es gibt nur sehr wenige Reitpferde, die im Brustkorb, insbesondere in der Sattellage, frei atmen.)
Drückt der Sattel – sei es durch mangelnde Passform oder durch den Sitz des Reiters –, halten viele Pferde bereits beim Gurten die Luft an, um der Enge vorzubeugen. Auch so manches Schnappen, am Strick knabbern, Kopf- oder Schweifschlagen beim Gurten, sind Zeichen, das etwas nicht stimmt. Auch ein zu fest angegurteter Sattel, was gerade bei Gummistrippen häufig vorkommt, wird schnell zu eng. Viele Pferde versuchen deshalb schon beim Gurten, ihren Brustkorb anzuspannen, um sich zu schützen. Ein Pferd, das keine Sorge haben muss, dass Gurt oder Sattel seine Atmung beim Reiten behindern, kann auch beim Gurten frei weiteratmen. Dann muss man später oft gar nicht oder nur minimal nachgurten. Hat ein Pferd zuvor schlechte Erfahrungen mit zu engen Gurten oder drückenden Sätteln gemacht, stellt es die Notwendigkeit des Festmachens meist gar nicht mehr infrage und verspannt sich auch, wenn das Problem inzwischen gelöst wurde. Dann können die Bauchheber mit dem Gurt dem Pferd die Möglichkeit geben, noch einmal eine neue Erfahrung zu machen. Interessanterweise hören die heftigen Reaktionen, wie schnappen, Kopfschlagen, Strickbeißen schnell auf, wenn Sattel und Reiten angenehm wird. Bei den Tellington Bauchhebern kann man spüren, wenn die Pferde beginnen, ihren Brustkorb während der Haltephase des Hebers langsam wieder auszudehnen. Anfangs vielleicht nur wenig, doch nach und nach immer mehr – nicht nur zu den Seiten, sondern auch nach unten und oben. Dann kann man beobachten, wie sich der Sattel bei jedem Atemzug leicht hebt. Ich spüre immer hin, wenn ich den Gurt das 1. Mal annehme, ob das Pferd hinein atmet. Tut es das nicht, mache ich so lange Bauchheber bis ich es sehen und fühlen kann. Erst wenn das Pferd wieder frei atmet, gurte ich achtsam nach – und nicht fester als nötig. Auch dann sollte man noch die Finger zwischen Gurt und Brustbein schieben können. Nur so kann sich der Brustkorb zum Atmen und für eine gesunde Bewegung frei ausdehnen. Man glaubte, mit Gummizügen an den Strippen oder am Gurt diese Freiheit herstellen zu können. Meine Beobachtungen zeigen jedoch eher das Gegenteil: Die Gurte lassen sich dadurch sehr leicht zu fest anziehen, und manche Pferde entwickeln gerade deshalb erst Gurtzwang. Beobachtet euer Pferd. Beobachtet sein Wohlgefühl und die Freiheit seiner Atmung. Dann werdet ihr bald erkennen, was es braucht – und was es stört. Und ein Pferd das frei atmet ist gelassener, sicherer und leistungsbereiter. So manch ein Buckler entsteht durch Druck und Enge im Brustkorb.
Wenn man @Linda Tellington Jones fragt, was der Schlüssel ihres Erfolges mit allen Pferden ist, sagt sie: „Mir war es immer wichtig das wir zusammen Spaß hatten.“ Das Pferd und Reiter Freude haben ist auch das was Erfolgsreiter wie Uta Gräf und Ingrid Klimke vermitteln. Was ist der Schlüssel zur Freude? Nun, aus meiner Sicht sind es verschiedene Dinge.
1. Ich steige immer wieder mit dem Gefühl auf, was für ein Geschenk es ist, reiten zu dürfen. Das dieses wunderbare Wesen mich trägt und mir oftmals, nahezu im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verleiht, wenn wir durch den Wald galoppieren oder über Hindernisse fliegen oder wenn es mit mir tanzt, wenn wir uns, im leisen Dialog, im Dressurviereck bewegen und es sich anfühlt als würde ich nur denken, was ich tun will, und es folgt der Gedankenübersetzung meines Körpers. Auch nach über 50 Jahren im Sattel ist dieses Gefühl noch ebenso stark wie beim 1. Mal, als ich endlich auf dem Rücken eines Pferdes sitzen durfte. Und das ist mein größter Schlüssel zum Reiten mit Freude. Die Dankbarkeit für dieses wunderbare Geschenk.
2. Das Gefühl der Partnerschaft / Freundschaft mit dem Pferd. Wenn ich spüre das es sich ebenso um mein Wohlergehen kümmert, wie ich mich um seins. Wenn es, auch in herausfordernden Situationen, achtsam ist, das mir nichts geschieht. Das es seine instinktiven Reaktionen zurückhält, selbst wenn es mal erschrickt, damit ich sicher bin. Natürlich gehört dazu, das ich auch hinhöre, wenn es sich körperlich, mental oder emotional überfordert fühlt, denn nur, wenn ich es in einem guten Zustand trainiere kann es diese Leistung bringen. Ab einem gewissen Maß an Angst, Schmerz oder Stress ist es kaum noch möglich. Um so mehr begeistert es mich, dass sie, selbst wenn unvorhersehbare Situationen eintreten und ich die Sicherheit gerade nicht herstellen kann, sie über sich selbst hinauswachsen um auch mich zu schützen. Die Dankbarkeit für dieses Gefühl von Miteinander, lässt mich immer wieder mit größter Freude auf den Rücken eines Pferdes steigen.
3. Sicherheit ist wohl das Wichtigste, um in der Freude zu sein. Was brauchen wir um uns sicher zu fühlen? Ein Pferd das gelernt hat wie es sich in schwierigen Situationen sicher für sich und sein Umfeld verhalten kann, mit Körpergefühl und Selbstkontrolle und vor allem ein Gehör, ein Gefühl fürs Pferd. Versteh ich die leisen Signale, kann ich früh genug reagieren. Die Anspannung im Rücken, den Verlust von Rhythmus im Gang (Taktstörung), Verlust der Tragkraft, verzögerte Reaktion auf meine Hilfen, all diese Dinge signalisieren mir, wenn mein Pferd sich nicht wohl fühlt. Und wenn ich das gleich verändere, sind wir sicher. Spürt man all das nicht hat man das Gefühl das das Pferd sich „plötzlich“ „aus dem Nichts heraus“ gefährlich verhält. Doch es sendet zu 99 % zuvor Zeichen, die oft überhört werden. Diese sind nicht immer sichtbar, meist ist es eine gefühlte Wahrnehmung, wenn man im Sattel sitzt. Darum ist es so wichtig Fühlen zu lernen. Mit den Beinen, mit den Sitzbeinen, mit den Händen, ja, mit dem ganzen Körper, denn der Dialog beim Reiten geht über Fühlen. Und je besser mein Gefühl, desto sicherer bin ich, wenn ich den ersten Zeichen schon Beachtung schenke und die Situationen entschärfe.
4. Liebe! Ja, ich bin sicher das die Pferde uns zutiefst lieben, selbst wenn wir nicht fair sind. Sie verstehen uns dann oft nicht, doch sie lieben uns bedingungslos. Und nein, es braucht keine Leckeres um diese Liebe zu „füttern“ Sie ist einfach da. Und selbst die Pferde meiner Schüler, oder die Trainingspferde die zu mir kommen, lassen mich diese Liebe spüren. Und ich sehe immer wieder wie sie ihren Menschen ihre Liebe erweisen, unabhängig davon wie freundlich oder unfreundlich die sich ihnen gegenüber verhalten. Und das macht min Herz immer wieder weit und auch die Dankbarkeit für diese große Liebe in ihrem Herzen, die sie uns schenken, macht mich immer wieder glücklich.
Und all das lässt mich lächeln, wenn ich aufsteige, und manchmal könnte ich während des Reitens vor Freude juchzen, über all diese Dinge, mit denen das Pferd mein Dasein bereichert. Und wenn ich dann später Fotos sehe, auf denen das Pferd dann auch leuchtet, lächelt, Selbstbewusstsein zeigt, weil es sich darüber freut, das es mich glücklich machte, dann lacht mein Herz erneut.