„Die Ponys haben Angst vor Hunden“, erklärten die Kids, die mit ihren wundervollen, 27 und 30 Jahre alten Ponys zum Tellington-Kurs gekommen waren, als sie die beiden großen Hunde einer Teilnehmerin sahen.
Und tatsächlich: Auch die Ponys bekamen erst einmal große Augen. Das Reitpony entspannter als die Islandstute, die mit hoher Kopfhaltung die Hunde nicht aus den Augen lies. Sie sah eindeutig Wölfe, also Gefahr.
Also wurden die Hunde sicher angeleint und auf Abstand gebracht, damit sich die Ponys im Lernparcours wohlfühlen konnten.
Nach der ersten Einheit TTouches wirkten die beiden auch auf dem Paddock schon deutlich entspannter. Also näherten wir uns langsam mit den freundlichen Riesen.
Und siehe da: Die Köpfe blieben entspannt, die Ponys fraßen weiter oder schauten neugierig. Ihre ganze Haltung zeigte, wie ruhig sie mit der neuen Situation umgingen.
Eine der Grundlagen der Tellington-Methode ist: Je besser das Körpergefühl, desto angemessener die Handlungen.
Angemessen an das Leben mit Menschen, statt allein den Instinkten zu folgen.
Wie unmittelbar sich das auswirken kann, zeigten uns diese beiden Ponys selbst. Ein verändertes Körpergefühl eröffnete ihnen neue Möglichkeiten, mit den Hunden umzugehen.
Für mich sind genau das die wunderbaren Momente in der Arbeit mit Pferden: Wenn wir ihnen helfen, sich selbst besser wahrzunehmen, und sie dadurch neue Wege im Umgang mit ihrer Umwelt entdecken.
Die Hände sind das Schwerste, weil sie das Leichteste sein müssen.
Legen Sie alle Ihre Gedanken fürs erste, für lange noch, ins Gesäß, ins linke, ins rechte; in die Unterschenkel, den linken, den rechten; lernen Sie damit fühlen …. von Ihren Händen aber denken Sie bestenfalls nur: sie dürfen nie am Zügel ziehen! Sie dürfen nie am Zügel ziehen!“
Horst Stern, So verdient man sich die Sporen, S. 67, Frankhsche Verlagshandlung,1986, Stuttgart
Foto aus: „besser reiten mit Feldenkrais“ mit innerem Bild: „trage Sektgläser in deinen Händen“
Viele denken, das es von der Kontrolle über das Pferd abhängt und sicher ist das ein wichtiger Punkt, doch meiner Ansicht nach hängt es noch viel mehr am Sitz, an der eigenen Stabilität und Beweglichkeit. An der Möglichkeit sich an überraschend eintretende Situationen anzupassen.
Denn das Leben hält immer Überraschungen für uns bereit, ob mit oder ohne Pferd, und je mehr wir uns diesen anpassen können, desto entspannter gleiten, bzw. reiten wir durch’s Leben.
Eine „volle Kontrolle“ über die Zukunft, und mögen es nur die nächsten 5 min sein, gibt es nie.
Vor 18 Jahren, als es mir nach dem 3. Ausbildungsjahr des Feldenkrais Trainings schon mal erlaubt war Gruppenstunden zu unterrichten, hatte ich eine Teilnehmerin im Kurs die nicht mehr die Allerjüngste war und Angstreiterin. Ihr Vater züchtete Islandpferde, doch sie ritt immer nur diese eine Stute, zu der sie Vertrauen hatte.
In diesem Kurs machte sie ihre ersten Erfahrungen mit der Feldenkrais Methode.
Leider wurde die Stute ein paar Wochen danach, durch eine Verletzung, unreitbar. Die Frau war nicht bereit auf ein anderes Pferd zu steigen, dazu fehlte ihr die Sicherheit.
Doch sie war durch die Entwicklungen im Kurs so neugierig geworden, das sie die 4 jährige FELDENKRAIS Ausbildung machte.
Nach diesen 4 Jahren, in denen sie kein Pferd ritt, meldete sie sich wieder zu einem Kurs an. Ihre Schwester, die die Isländer ihres Vaters auf Turnieren vorstellte, gab ihr ein braves Pferd, und sie hatte wieder den Mut zu reiten. Gerade 2 Wochen nachdem sie zum 1. Mal auf dem Pferd saß, begann der Kurs.
Und ich war so verblüfft.
Sie ritt als hätte sie die 4 Jahre geübt. Sie war locker, stabil und so viel sicherer und selbstbewusster.
Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich sie damals fragte, ob sie wirklich nicht geritten sei, in den 4 Jahren.
Mit der Zeit sah ich diese Entwicklung öfter, nein, nein, nicht alle wurden Feldenkrais Lehrer, aber den Zugewinn an Sicherheit, durch die Erfahrungen aus der Feldenkrais Methode.
Anpassungsfähigkeit ist ein Zeichen für Intelligenz, sagt man, und, aus den Erfahrungen heraus, würde ich sagen, das diese Intelligenz das Leben leichter und schöner macht.
„Wenn du nicht weißt, was du tust, kannst du nicht tun, was du willst.“ Moshe Feldenkrais
Wie oft hast du ein Bild von dir im vor Augen, wie du dich mit deinem Pferd als Einheit bewegst?
Hast du dich dabei zufällig einmal filmen lassen und warst entsetzt darüber, wie das in Wirklichkeit ausgesehen hat?
Das liegt daran, dass wir oft einfach kein reelles Körpergefühl haben! Doch nicht Verzagen: Das kann geschult werden!
Moshe Feldenkrais hat eine Methode entwickelt, Beweglichkeit und Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und dabei so effizient wie möglich Kraft einzusetzen. Linda Tellington-Jones hat die Methode für Pferd und Reiter anwendbar gemacht und Anke Recktenwald erklärt in der aktuellen Natural Horse 3/2022, wie sie beim Reiten wirkt.
Dein Interesse ist geweckt? Du willst mehr darüber erfahren, wie die Feldenkrais® – Methode dir hilft, die Bewegung, die du dir vorstellst (und nicht eine völlig andere) auszuführen?
Ein paar Wochen sind nun seit unserem ersten Tellington Kurs vergangen, daher möchte ich dir ein kleines Feedback zu den Erfahrungen geben, die ich bisher zuhause mit unseren 3 Stuten sammeln konnte.
Die beiden Golden Girls mit 29 bzw 30 Jahren genießen den TTouch im Allgemeinen sehr. Kim – Jahrgang 1996, hoch im Blut stehend und nachwievor sehr hyperaktiv – war seit jeher äußerst berührempfindlich am Hals und Unterbauch. Während und nach den TTouches jedoch wirkt sie entspannt und zufrieden. Und trotz EOTRH mag sie den Maul-Touch an der oberen Zahnreihe besonders.
Die junge Stute zeigt sich nach der Anwedung diverser TTouches und dem Abstreichen mit dem Zauberstab deutlich gehoben im Brustkorb und gelöster in der gesamten Bewegung. Sie wirkt zufriedener in ihrem Körper und die neuerlernte Tellington Führposition scheint ihr dabei zu helfen, die Fragen des Menschen richtig zu interpretieren.
Gerdade an der Wirkung dieser habe ich ja ehrlich gesagt zu Beginn ein bissal gezweifelt aber was soll ich sagen…. „Change your mind“ & ein weiches Gesicht – und schon geht vieles so viel leichter.
Wie viel doch kleine Veränderungen bewirken können.
Bedanken möchte ich mich noch besonders für die Art, deine Kurse zu gestalten. Man begegnet sich zu 100% auf Augenhöhe. Die Tage sind geballt voll mit neuen Erfahrungen – und trotzdem herrscht eine absolut entspannte Atmosphäre!
Vielen Dank
Carolin“
Foto: Carolin und ihre junge Stute beim nonverbalen TTouch Gespräch