Ein ausbalancierter Reiter ist für das Pferd leicht zu tragen und ermöglicht ihm, sich mühelos unter seinem Reiter zu bewegen. Das erhöht nicht nur das Wohlbefinden des Pferdes, sondern auch deine Sicherheit beim Reiten. Dein Pferd kann insgesamt gelassener sein und du bleibst, falls doch einmal etwas passiert, stabiler und besser im Gleichgewicht – beispielsweise wenn das Pferd plötzlich bremst oder zur Seite weicht.
Um zu überprüfen, ob du ausbalanciert sitzt, kannst du dir vorstellen, das Pferd verschwindet unter dir. Es löst sich einfach in Feenstaub auf.
Würdest du auf deinen Füßen landen?
Viele von euch kennen sicher die Schwerkraftlinie aus den klassischen Lehrbüchern der Deutschen Reitlehre: Kopf – Schulter – Becken – Ferse liegen in einer Linie. Das ist gut zu verstehen, aber oft nicht so leicht zu fühlen.
Ein hilfreiches Bild ist deshalb die Vorstellung, dass sich das Pferd unter dir auflöst. Wo würdest du landen? Auf den Füßen, auf dem Po oder würdest du nach vorne auf die Nase kippen?
Noch hilfreicher wird dieses Bild, wenn du dir vorstellst, nicht auf dem Boden, sondern auf einem Trampolin zu landen. Würdest du umkippen oder mühelos schwingend stehen bleiben?
Mit diesem Bild kannst du nicht nur auf der Geraden spielen, sondern auch in Wendungen und Seitengängen. Denn auch dort sollte der Reiter in seiner Schwerkraftlinie über dem Schwerpunkt des Pferdes bleiben.
Ein weiteres Bild ist der Schneemann. Stell dir drei Kugeln oder Schneebälle vor, die übereinandergesetzt werden. Sind sie gut ausbalanciert?
Die oberste Kugel hat ihren Mittelpunkt zwischen den Ohren, hinter der Nase – dort, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule sitzt. Ihr Radius reicht bis zu den Schultern. Dieser Schneeball ist also etwas größer als dein Kopf.
Das Zentrum der zweiten Kugel liegt in deiner Körpermitte. Ihr Radius reicht von den Schultern bis zu den Knien und ist damit deutlich größer als dein Rumpf.
Das Zentrum der dritten Kugel befindet sich am Balancepunkt des Fußes – dort, wo dein Fuß im Steigbügel steht. Der Radius reicht bis zum Knie und entsprechend weit Richtung Boden, also deutlich über deinen Körper hinaus.
Zeichnung
Sind die drei Kugeln schön übereinander, bist du in der idealen Linie.
Wenn du dir einen Ball nicht vorstellen kannst, liegt das meist daran, dass er nicht in der Linie ist. Häufig passiert das bei der unteren Kugel: Die Füße sind oft zu weit vorne. Schiebe dann das Zentrum der unteren Kugel – also den Balancepunkt mit dem Steigbügel – etwas weiter nach hinten. Vermutlich wirst du dann deinen dritten Ball finden.
Vielleicht hast du anfangs das Gefühl, deine Ferse käme dabei höher. Probiere es trotzdem aus. Filme dich eventuell dabei und überprüfe anschließend, ob dein Fuß vielleicht gerade jetzt wirklich parallel zum Boden war oder ob die Ferse tatsächlich höher stand. Manchmal täuscht uns unser Körpergefühl.
Sollte die Ferse tatsächlich höher kommen, stell dir beim nächsten Mal vor, dein Fuß steht auf einem Skateboard und du schiebst dieses nach hinten. Dadurch bleibt der Fuß meist besser parallel zum Boden.
Dieses schöne dreidimensionale Bild kannst du auch hervorragend in Wendungen mitnehmen. Beobachte dabei, ob dein Schneemann umkippt oder aufrecht stehen bleibt. Wenn du dich nach innen lehnst oder in der Hüfte abknickst, fällt der Schneemann um. Bleiben die drei Kugeln dagegen schön übereinander, bleibst du im Gleichgewicht und dein Pferd kann sich leichter biegen.
Das gilt natürlich auch für Seitengänge. Gerade dort neigt man leicht dazu, sich schief auf das Pferd zu setzen und dadurch seine Balance zu stören. Bleibt dein Schneemann auch hier aufrecht über der Wirbelsäule deines Pferdes, kann es sich durchlässiger und gleichmäßiger in allen Seitengängen bewegen.
Auch Übergänge lassen sich mit dem Schneemann hervorragend verbessern. Dabei kannst du deine Vorstellungskraft gezielt einsetzen.
Zentrieren und wachsen, nach oben und unten, nach vorn und hinten, nach rechts und links
Sally Swift nannte ihre Methode „Zentriertes Reiten“, weil ein großer Teil unserer Hilfengebung aus der Körpermitte entsteht.
Diese Körpermitte liegt zwei Finger unterhalb des Bauchnabels, vor der Wirbelsäule. In den asiatischen Bewegungskünsten wird dieser Bereich Dan Tien genannt.
Zentrieren bedeutet, den eigenen Körperschwerpunkt in diese Mitte zu bringen. Dadurch werden wir stabiler, beweglicher und müheloser – ohne unnötige Spannung.
Mach ein Experiment:
Setze dich auf einen Stuhl mit möglichst gerader Sitzfläche und rutsche etwas nach vorne, sodass deine Oberschenkel nicht mehr aufliegen. Nur so kann der Körper sich natürlich aufrichten.
Lege eine Hand auf den Bauch, Daumen auf den Nabel, kleiner Finger Richtung Schambein und eine gegenüber auf den Rücken. Stell dir vor, zwischen deinen Händen rollt eine kleine Kugel. Nicht größer als ein Tennisball, nicht kleiner als ein Golfball. Sie darf eine Farbe oder ein Material haben, das sich für dich gut anfühlt. Lass sie schließlich in der Mitte, vor deiner Wirbelsäule, etwas einsinken, wie in Sand – nicht mehr als die zwei Finger unterhalb des Bauchnabels.
Vielleicht spürst du:
dein Rücken wird länger
dein Atem wird freier
du sitzt müheloser und aufrechter
Es gibt verschiedene Bilder, die beim Zentrieren helfen können:
eine Kugel in ihrem Nest
eine gefüllte Beckenschale, in die ein großer Ball fällt
eine Blume, die sich öffnet und strahlt
Wir finden für jeden eine passende Lösung.
Probiere es im Stehen, beim Gehen und schließlich im Sattel aus.
Pferde spüren sehr genau, wenn wir in unserer Balance sind. Oft verändert sie sich enorm, nur weilwir selbst unsere Mitte finden.
Und manchmal hilft zusätzlich das Erden:
Stell dir vor, aus deinen Füßen wachsen Wurzeln in die Erde, während dein Oberkörper wie ein Baum in den Himmel wächst – ohne Strecken, nur durch ein Zulassen von Länge.
(Das Posting dazu findet ihr in einem vorherigen Blog)
Zentrierung hilft nicht nur beim Reiten. Auch im Alltag werden Bewegungen leichter: beim Tragen, Schieben oder bei jeder Aufgabe, bei der du Kraft und Balance brauchst.
Finde deine Mitte – und entdecke, wie viel leichter Bewegung werden kann. Nicht Muskelkraft gibt dir Stabilität, sondern eine gut organisierte Körpermitte. Wer aus seiner Mitte heraus weit wird, bewegt sich leichter – und macht es auch seinem Pferd leichter.
Foto aus einem Kurs „Besser reiten mit Feldenkrais“ KI optimiert
Fließender Atem ist eines der Zeichen für Losgelassenheit – eine der grundlegenden Stufen der Skala der Ausbildung und die Basis für förderliche Bewegungen.
Hast Du auch schon die Erfahrung gemacht, wie sehr sich Dein Atem verändert, je nachdem, ob Du gestresst oder gelassen bist? Wenn wir uns stark konzentrieren, gestresst sind oder unzufrieden, atmen wir ganz anders, als wenn wir uns wohlfühlen, Freude empfinden oder entspannt sind.
Einfach einmal bewusst durchzuatmen hilft oft kurzfristig, sich zu beruhigen. Doch manchmal halten wir schon wenige Sekunden später wieder die Luft an oder der Atem wird stockend. Vielleicht kennst Du selbst schon eine Atemübung, mit der Du Dir in stressigen Situationen helfen kannst.
Eine gute Übung auf dem Pferd ist es, die Schritte zu zählen und zu beobachten, über wie viele Schritte Du ein- und ausatmest. In Aufregung sind es manchmal nur ein bis zwei Schritte. Wenn Du Dir jedoch vorstellst, dass Dein ganzer Körper ein Hohlraum ist und Du mit dem Einatmen die Luft in alle Bereiche Deines Körpers hineinfließen lässt und sie beim Ausatmen wieder hinausströmt, kann sich Dein Atem schnell beruhigen.
Linda Tellington-Jones empfiehlt, über vier Schritte einzuatmen und über vier Schritte auszuatmen und die Schritte dabei laut zu zählen.
Manchmal hilft es auch, sich vorzustellen, in den unteren Rücken oder in Richtung Becken zu atmen. Vielleicht probierst Du auch einmal aus, in Richtung Schulterblätter und Schlüsselbeine zu atmen.
Manche Menschen denken, dass Atmen in den Brustkorb nicht gut sei und man ausschließlich in den Bauch atmen müsse. Doch im Brustkorb sind die Lungen zu Hause. Wenn sich unsere Rippen ausdehnen, kann die Luft in die Lungen einströmen. Nur in den Bauch zu atmen ist genauso wenig natürlich, wie ausschließlich mit dem Brustkorb zu atmen. Beim Atmen dürfen alle mitmachen: die Rippen und das Zwerchfell, das sich dabei Richtung Bauch bewegt.
Wir denken beim Atmen oft nur an die Vorderseite unseres Körpers. Doch unsere Rippen gehen rundherum. Wenn Du Dir vorstellst, dass Du mit Deinem Atem Deinen Rücken füllen möchtest, verbessert sich nicht nur Dein Atem, sondern auch Deine Aufrichtung. Gleichzeitig kannst Du überflüssige Spannung aus Deinem Rücken entlassen.
Du kannst Dich also in alle sechs Richtungen von Deinem Atem füllen lassen: nach oben, nach unten, nach hinten, nach vorne und zu den Seiten.
Spüre einmal: Weiten sich Deine Rippen auch in Richtung Deiner Arme aus? Wie beim Pferd beim Satteln darf auch Dein Brustkorb sich rundherum öffnen und ausdehnen.
Spüre, welchen Raum Du bereits nutzt und welcher noch ungenutzte Raum auf Deine Aufmerksamkeit wartet.
Mach ein Experiment:
Zähle zuerst einmal, über wie viele Schritte Deines Pferdes Du im Moment ein- und ausatmest – ohne etwas zu verändern, einfach ganz normal.
Dann probiere eines unserer Beispiele aus: Atme eine Weile mit dem Fokus auf Deinen Rücken oder lasse die Luft Deinen ganzen Körper füllen. Beobachte, wie sich Dein Atem nach ein paar Minuten verändert.
Über wie viele Schritte atmest Du jetzt?
Wenn Du durch eines der Experimente einen Rhythmus über vier oder fünf Schritte entwickelt hast, beobachte wieder Dein Pferd:
Wie ist der Takt?
Wie leicht ist deine Aufrichtung?
Wie ist die Losgelassenheit?
Wie gut kannst du der Bewegung deines Pferdes folgen?
Hat Dein Pferd ebenfalls tiefer geatmet oder abgeschnaubt?
Atme nun einmal aus und halte für eine halbe Runde die Luft an. Beobachte, wie Dein Pferd sich verändert.
Manche Pferde spiegeln die Anspannung sofort durch Kopfanheben, einen unregelmäßigen oder verkürzten Bewegungsablauf oder Spannung im Rücken.
Kehre anschließend zu einem Deiner Atemexperimente zurück, lasse Deinen Atem wieder frei fließen und beobachte Dein Pferd.
Nicht selten beginnen Pferde abzuschnauben oder tiefer zu atmen, sobald der Reiter seinen eigenen Atem frei fließen lässt.
Ein Zeichen der Losgelassenheit beim Pferd ist der fließende Atem. Nur wenn auch der Reiter seinen Atem frei fließen lässt, kann das Pferd seine eigene Losgelassenheit leichter herstellen.
Durch den gleichmäßigen Rhythmus Deines Atems kannst Du auch den Takt Deines Pferdes verbessern. Pferde reagieren sehr gut auf gleichmäßige Rhythmen – sowohl in der Hilfengebung als auch im Atem.
Natürlich kannst Du diesen Atemrhythmus auch in die anderen Gangarten übernehmen.
Besonders hilfreich ist diese Übung beim Einreiten in eine Prüfung oder in Situationen, in denen Du Schwierigkeiten erwartest – zum Beispiel, wenn ein Rasenmäherroboter in Eure Nähe kommt oder ein Hund hinter einem Zaun bellt.
Beginne frühzeitig mit dem Atemrhythmus von vier Schritten ein und vier Schritten aus. So kannst Du in Dir und Deinem Pferd Gelassenheit aufbauen.
Du lebst Deinem Pferd Gelassenheit vor und entschärfst dadurch Situationen für Euch beide.
Das funktioniert genauso in der Bodenarbeit oder beim Spazierengehen.
Wenn deine Pferd von der Koppel kommt und durch die Bewegung mit der Herde seine Gelenke gut geölt sind und seine Muskeln bewegt, und du ein paar Ttouch gemacht hast, die es brauchte, kannst du normalerweise direkt aufsteigen.
Hat dein Pferd nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und steht mehr, wenn du nicht da bist, führe es erst ein bisschen bevor du aufsteigst und lausche seinen Schritten. Beobachte währenddessen, ob alles in Ordnung ist, wie es atmet, wie frei es schreitet, wie es den Kopf trägt, wie es ihm geht.
Danach steige ich auf und reite zuerst einmal im Schritt am hingegebenen Zügel. Dabei checke ich schon mal die 4 Bausteine (nach Sally Swift).
Welches sind die 4 Bausteine?
Der 1. Baustein sind weiche, umfassend blickende Augen.
Es ist erstaunlich, zu beobachten was sich alles verändert, wenn man das Genick fokkusiert, oder ob man mit einem weichen, umfassenden Blick nach vorne schaut. Viele Reiter schauen meistens nach unten, um zu sehen, wo der Kopf ihres Pferdes gerade ist. Dabei entsteht oft ein Tunnelblick, der uns das Umfeld nicht mehr richtig wahrnehmen lässt. Dabei verliert man nicht nur die anderen Reiter aus dem Blick, (wenn man nicht alleine reitet) sondern auch das Gefühl für den eigenen Körper und die Bewegung des Pferdes. Wenn unsere Augen einen Punkt fixieren, kann auch der Atem nicht mehr frei fließen. Schaut man jedoch nach vorn, beim Reiten von Bahnfiguren z.B. auf seinen Zielpunkt, kann man den Blick weich und weit stellen, so dass man fast 180 ° erfassen kann.
Mit diesen weichen Augen reitet man nicht nur die Linien korrekter, sondern kann sich selbst besser spüren und der Bewegung des Pferdes besser folgen und somit auch mehr Losgelassenheit erreichen.
Mach mal ein Experiment:
Reite einfach mal ganze Bahn und fühle, wie gut du Deine Füße im Steigbügel fühlst, wie Du Deine Sitzbeine im Sattel wahrnehmen kannst und wie rund die Bewegung Deines Pferdes ist. Spüre, wo Dich dein Atem bewegt und nachdem du das wahrgenommen hast, schau für einige Schritte genau auf die Ohren oder das Genick Deines Pferdes, so wie Du es vielleicht von Deinem Reiten auch schon kennst und beobachte, wie sich dabei die Wahrnehmung der Füße, der Sitzbeine, der Pferdebewegung und Dein Atem verändert.
Dann ändere es wieder und schau in die Ferne mit einem weichen, entspannten Blick. Bemerkst du die Veränderung in Deiner Wahrnehmung für dich selbst und dein Pferd.
Spürst du wie du angespannter wirst, wenn dein Blick fixiert ist, deine Sitzbeine sich härter anfallen, die Wahrnehmung der Füße vielleicht sogar verloren geht.
Manche fühlen sich härter werden, andere verlieren das Gefühl für Füße und Sitzbeine, wenn sie sich fixieren. Mit den weichen Augen werden auch unsere Muskeln wieder frei und beweglich. Dadurch fühlen wir mehr, denn angespannt Muskeln können nicht gut fühlen. Die Fixierung der Augen fixiert auch den Brustkorb und damit auch den Atem.
Wann fühlt sich die Bewegung Deines Pferdes runder und fließender an? Wenn Du in die Ferne schaust oder wenn Du das Genick fixierst? Wahrscheinlich kannst Du bemerken, wie dein Pferd deiner Fixierung folgt und die Bewegungen härter, unrunder werden, im Trab dann auch unbequemer zu sitzen., wenn dein Blick die Ohren fixiert, oder das Genick.
Der weite, weiche Blick nach vorne erlaubt uns auch unseren Kopf über der Wirbelsäule zu tragen, anstatt ihn hängen zu lassen, als würde man auf ein Handy schauen. In vielen Studien wurden schon die Nachteile aufgeführt, wenn man diese aufs Handy schauen-Haltung einnimmt.
Genauso ist es, wenn man auf den Pferdehals schaut. Eine aufrechte Haltung ist so nicht möglich. Man nimmt wenig wahr. Der weiche, umfassende Blick gibt uns die Möglichkeit, uns leichter aufzurichten und sowohl uns, als auch das Pferd umfassend zu spüren.
„Die einzig wahre Wissenschaft ist das Experiment“ sagt Dr. Manfred Winterheller, darum probiere es am Besten gleich mal aus und fühle selbst. Lass dir ruhig Zeit und wechsele den Blick nicht schneller als alle 10 – 20 Schritte.
Ein Impression Pad (oder auch die Selbstbauanleitungen Carola Pad, die man im Internet findet), ein weißes Tuch oder eine weiße Schabracke können nach dem Reiten gut angesehen werden, um Druckunterschiede des Sattels festzustellen.
Saubere Stellen im Schulterbereich weisen auf zu hohen Druck hin. Dort wird der Muskel vom Sattel so stark gedrückt, dass er sich nicht mehr darunter bewegen kann. Wenn der Muskel sich nicht bewegt entsteht keine Reibung und der staub bleibt im Fell. Meist am hinteren Ende findet man dunkle Stellen, dort reibt der Sattel dann zu viel und so kommt viel Staub in die Decke, oder das weiße Tuch. So wurde früher, vor 40 – 50 Jahren, ein Sattel beim Kauf getestet.
Im Sommer kann man sich auch gut das Schweißbild anschauen um zu sehen ob der Sattel gleichmäßig liegt, oder nicht.
Auch mit dem Reiter im Sattel muss man unter der Kammer durchstreichen und das gesamte Schulterblatt umstreichen können – zumindest beim englischen Sattel. Westernsättel liegen meist über der Schulter. Doch durch den anderen Baum können die Schultern dennoch frei bleiben.
Das Impression Pad oder auch das weiße Tuch können euch jedoch zeigen, ob der Druck so verteilt ist, dass sich das Pferd darunter frei bewegen kann, oder ob die Schultern zusammengedrückt werden.
Auch der Wirbelkanal muss frei sein. Hier sollte idealerweise eine etwa handbreite freie Linie von vorne bis hinten sauber zu sehen sein. Neben der Wirbelsäule braucht das Pferd auf jeden Fall ein bis zwei Finger Platz, um sich schmerzfrei biegen zu können. Liegt der Sattelbaum seitlich direkt an den Dornfortsätzen an, entsteht bei der Biegung Druck. Das versucht das Pferd natürlich zu vermeiden.
Wichtig ist außerdem, dass die Wirbelsäule auch nach oben frei ist. Das prüfen viele – allerdings nicht mehr während oder nach dem Reiten. Dabei kann sich das schon nach wenigen Minuten im Sattel verändern.
im vorderen Bereich kann man oft noch selber rein fassen, vom Sattel aus, jedoch nicht weit.
Hier braucht man einen Helfer für den Test.
Lasst ihn eine Gerte von hinten nach vorne in den Wirbelkanal des Sattels einführen, während ihr im Sattel steht.
Wartet, bis die Spitze vorne herauskommt. Legt sie mittig und dann setzt euch hin und lasst ihn prüfen ob er die Gerte wieder herausziehen kann. Lässt sie sich nur schwer oder gar nicht herausziehen, drückt der Sattel auf die Wirbelsäule.
Wichtig ist natürlich auch, das Kammern nicht zu vergessen. Das bedeutet, die Satteldecke vorne und hinten gleichzeitig nach oben und außen in die Wirbelsäulenfreiheit zu ziehen, sodass keine Spannung der Decke auf den Wirbeln liegt. Besonders hinten wird das oft übersehen.
(Fallgeschichte Laura / Isi)
Im Idealfall hat man ein möglichst gleichmäßiges Schmutzbild beziehungsweise einen gleichmäßigen Abdruck im Pad.
Sieht man weiße Stellen in der Mitte des Sattels, also zwischen Vorder- und Hinterzwiesel, liegt der Sattel dort oft hohl. Das bedeutet, dass der Druck nur vorne und hinten getragen wird, in der Mitte jedoch nicht. Das passiert häufig, wenn der Schwung des Sattels nicht zum Rücken des Pferdes passt.
All diese kleinen Punkte sind entscheidend für die Schmerzfreiheit und Tragfähigkeit eures Pferdes.
Und wie gesagt: Nicht immer ist der Sattler schuld. Manchmal ist es auch der Sitz des Reiters, der den Druck verursacht.
So oder so lohnt es sich immer, die Passform regelmäßig zu überprüfen. Pferderücken verändern sich – zum Beispiel, wenn das Pferd abnimmt oder zunimmt , Muskulatur verliert oder aufbaut.
Sattler lernen sehr viel über die Bearbeitung von Leder, aber nicht unbedingt viel über Pferde und Biomechanik. Deshalb wissen sie manchmal nicht, wo sich noch weitere Ursachen finden oder Veränderungen sinnvoll sein könnten.
Gerade das Impression Pad kann durch seinen 3D-Effekt sehr hilfreiche Informationen liefern. Aber auch ein weißes Tuch oder eine weiße Schabracke können euch bereits wertvolle Hinweise geben.
Für das Pferd ist es angenehm, wenn wir uns vor dem Satteln ein paar Minuten Zeit für TTouches nehmen.
* Das Lecken der Kuhzunge unterstützt das Gefühl von Verbindung im Brustkorbbereich, fördert die Atmung und kann das Pferd darin unterstützen, den Rücken zu längen. * Schweif-TTouches können bei angespannten Muskeln der Oberlinie für mehr Loslassgelassenheit sorgen und so Beweglichkeit und Tragfähigkeit fördern. * Ohr-TTouches unterstützen Konzentration, Kreislauf und Gelassenheit * Beinkreise lassen sich wunderbar in das Hufeauskratzen einbauen. Sie und andere TTouches an den Beinen wirken – je nach Ausführung – beruhigend oder aktivierend. Sie erden und fördern gleichzeitig die Körperwahrnehmung. Dadurch können sie Stolpern und Schlurfen vermindern. * Der Pythonheber fördert die Entspannung in vielen Bereichen. * Zickzack- und Regenbogen-TTouches wirken dagegen eher aktivierend und wecken das Pferd auf. * Mähne gleiten, senkrecht nach oben ausgeführt, hilft den Hals zu entspannen. * Bauchheber unterstützen den Atem und das Zusammenspiel von Bauch und Rückenmuskulatur Im Video zeige ich euch Bauchheber mit dem Tellington Körperband. Das ist gut für Pferde die viel Streß mit Gurten haben, man fühlt jedoch weniger das Ausdehnen. Das spürt man dann nur im Rücken, unterm Arm, oder sieht es, an den Rippen und an den Rückenmuskeln. Beim Satteln können wir die dann auch gut mit dem Gurt direkt machen. Hast du schon mal den Atem deines Pferdes beim Satteln beobachtet? Hält es die Luft an, oder atmet es ruhig weiter? Wenn es gut weiter atmet kannst du das am Gurt spüren, wenn du ihn annimmst und einen Moment still hältst. (Es gibt nur sehr wenige Reitpferde, die im Brustkorb, insbesondere in der Sattellage, frei atmen.)
Drückt der Sattel – sei es durch mangelnde Passform oder durch den Sitz des Reiters –, halten viele Pferde bereits beim Gurten die Luft an, um der Enge vorzubeugen. Auch so manches Schnappen, am Strick knabbern, Kopf- oder Schweifschlagen beim Gurten, sind Zeichen, das etwas nicht stimmt. Auch ein zu fest angegurteter Sattel, was gerade bei Gummistrippen häufig vorkommt, wird schnell zu eng. Viele Pferde versuchen deshalb schon beim Gurten, ihren Brustkorb anzuspannen, um sich zu schützen. Ein Pferd, das keine Sorge haben muss, dass Gurt oder Sattel seine Atmung beim Reiten behindern, kann auch beim Gurten frei weiteratmen. Dann muss man später oft gar nicht oder nur minimal nachgurten. Hat ein Pferd zuvor schlechte Erfahrungen mit zu engen Gurten oder drückenden Sätteln gemacht, stellt es die Notwendigkeit des Festmachens meist gar nicht mehr infrage und verspannt sich auch, wenn das Problem inzwischen gelöst wurde. Dann können die Bauchheber mit dem Gurt dem Pferd die Möglichkeit geben, noch einmal eine neue Erfahrung zu machen. Interessanterweise hören die heftigen Reaktionen, wie schnappen, Kopfschlagen, Strickbeißen schnell auf, wenn Sattel und Reiten angenehm wird. Bei den Tellington Bauchhebern kann man spüren, wenn die Pferde beginnen, ihren Brustkorb während der Haltephase des Hebers langsam wieder auszudehnen. Anfangs vielleicht nur wenig, doch nach und nach immer mehr – nicht nur zu den Seiten, sondern auch nach unten und oben. Dann kann man beobachten, wie sich der Sattel bei jedem Atemzug leicht hebt. Ich spüre immer hin, wenn ich den Gurt das 1. Mal annehme, ob das Pferd hinein atmet. Tut es das nicht, mache ich so lange Bauchheber bis ich es sehen und fühlen kann. Erst wenn das Pferd wieder frei atmet, gurte ich achtsam nach – und nicht fester als nötig. Auch dann sollte man noch die Finger zwischen Gurt und Brustbein schieben können. Nur so kann sich der Brustkorb zum Atmen und für eine gesunde Bewegung frei ausdehnen. Man glaubte, mit Gummizügen an den Strippen oder am Gurt diese Freiheit herstellen zu können. Meine Beobachtungen zeigen jedoch eher das Gegenteil: Die Gurte lassen sich dadurch sehr leicht zu fest anziehen, und manche Pferde entwickeln gerade deshalb erst Gurtzwang. Beobachtet euer Pferd. Beobachtet sein Wohlgefühl und die Freiheit seiner Atmung. Dann werdet ihr bald erkennen, was es braucht – und was es stört. Und ein Pferd das frei atmet ist gelassener, sicherer und leistungsbereiter. So manch ein Buckler entsteht durch Druck und Enge im Brustkorb.