Der 2. Baustein: Der Atem – der Schlüssel zur Losgelassenheit

Der 2. Baustein: Der Atem – der Schlüssel zur Losgelassenheit

Der 2. Baustein: Der Atem

Fließender Atem ist eines der Zeichen für Losgelassenheit – eine der grundlegenden Stufen der Skala der Ausbildung und die Basis für förderliche Bewegungen.

Hast Du auch schon die Erfahrung gemacht, wie sehr sich Dein Atem verändert, je nachdem, ob Du gestresst oder gelassen bist? Wenn wir uns stark konzentrieren, gestresst sind oder unzufrieden, atmen wir ganz anders, als wenn wir uns wohlfühlen, Freude empfinden oder entspannt sind.

Einfach einmal bewusst durchzuatmen hilft oft kurzfristig, sich zu beruhigen. Doch manchmal halten wir schon wenige Sekunden später wieder die Luft an oder der Atem wird stockend. Vielleicht kennst Du selbst schon eine Atemübung, mit der Du Dir in stressigen Situationen helfen kannst.

Eine gute Übung auf dem Pferd ist es, die Schritte zu zählen und zu beobachten, über wie viele Schritte Du ein- und ausatmest. In Aufregung sind es manchmal nur ein bis zwei Schritte. 
Wenn Du Dir jedoch vorstellst, dass Dein ganzer Körper ein Hohlraum ist und Du mit dem Einatmen die Luft in alle Bereiche Deines Körpers hineinfließen lässt und sie beim Ausatmen wieder hinausströmt, kann sich Dein Atem schnell beruhigen.

Linda Tellington-Jones empfiehlt, über vier Schritte einzuatmen und über vier Schritte auszuatmen und die Schritte dabei laut zu zählen.

Manchmal hilft es auch, sich vorzustellen, in den unteren Rücken oder in Richtung Becken zu atmen. Vielleicht probierst Du auch einmal aus, in Richtung Schulterblätter und Schlüsselbeine zu atmen.

Manche Menschen denken, dass Atmen in den Brustkorb nicht gut sei und man ausschließlich in den Bauch atmen müsse. Doch im Brustkorb sind die Lungen zu Hause. Wenn sich unsere Rippen ausdehnen, kann die Luft in die Lungen einströmen. Nur in den Bauch zu atmen ist genauso wenig natürlich, wie ausschließlich mit dem Brustkorb zu atmen. Beim Atmen dürfen alle mitmachen: die Rippen und das Zwerchfell, das sich dabei Richtung Bauch bewegt.

Wir denken beim Atmen oft nur an die Vorderseite unseres Körpers. Doch unsere Rippen gehen rundherum. Wenn Du Dir vorstellst, dass Du mit Deinem Atem Deinen Rücken füllen möchtest, verbessert sich nicht nur Dein Atem, sondern auch Deine Aufrichtung. Gleichzeitig kannst Du überflüssige Spannung aus Deinem Rücken entlassen.

Du kannst Dich also in alle sechs Richtungen von Deinem Atem füllen lassen: nach oben, nach unten, nach hinten, nach vorne und zu den Seiten.

Spüre einmal: Weiten sich Deine Rippen auch in Richtung Deiner Arme aus? Wie beim Pferd beim Satteln darf auch Dein Brustkorb sich rundherum öffnen und ausdehnen.

Spüre, welchen Raum Du bereits nutzt und welcher noch ungenutzte Raum auf Deine Aufmerksamkeit wartet.

Mach ein Experiment:

Zähle zuerst einmal, über wie viele Schritte Deines Pferdes Du im Moment ein- und ausatmest – ohne etwas zu verändern, einfach ganz normal.

Dann probiere eines unserer Beispiele aus: Atme eine Weile mit dem Fokus auf Deinen Rücken oder lasse die Luft Deinen ganzen Körper füllen. Beobachte, wie sich Dein Atem nach ein paar Minuten verändert.

Über wie viele Schritte atmest Du jetzt?

Wenn Du durch eines der Experimente einen Rhythmus über vier oder fünf Schritte entwickelt hast, beobachte wieder Dein Pferd:

  • Wie ist der Takt?
  • Wie leicht ist deine Aufrichtung?
  • Wie ist die Losgelassenheit?
  • Wie gut kannst du der Bewegung deines Pferdes folgen?

Hat Dein Pferd ebenfalls tiefer geatmet oder abgeschnaubt?

Atme nun einmal aus und halte für eine halbe Runde die Luft an. Beobachte, wie Dein Pferd sich verändert.

Manche Pferde spiegeln die Anspannung sofort durch Kopfanheben, einen unregelmäßigen oder verkürzten Bewegungsablauf oder Spannung im Rücken.

Kehre anschließend zu einem Deiner Atemexperimente zurück, lasse Deinen Atem wieder frei fließen und beobachte Dein Pferd.

Nicht selten beginnen Pferde abzuschnauben oder tiefer zu atmen, sobald der Reiter seinen eigenen Atem frei fließen lässt.

Ein Zeichen der Losgelassenheit beim Pferd ist der fließende Atem. Nur wenn auch der Reiter seinen Atem frei fließen lässt, kann das Pferd seine eigene Losgelassenheit leichter herstellen.

Durch den gleichmäßigen Rhythmus Deines Atems kannst Du auch den Takt Deines Pferdes verbessern. Pferde reagieren sehr gut auf gleichmäßige Rhythmen – sowohl in der Hilfengebung als auch im Atem.

Natürlich kannst Du diesen Atemrhythmus auch in die anderen Gangarten übernehmen.

Besonders hilfreich ist diese Übung beim Einreiten in eine Prüfung oder in Situationen, in denen Du Schwierigkeiten erwartest – zum Beispiel, wenn ein Rasenmäherroboter in Eure Nähe kommt oder ein Hund hinter einem Zaun bellt.

Beginne frühzeitig mit dem Atemrhythmus von vier Schritten ein und vier Schritten aus. So kannst Du in Dir und Deinem Pferd Gelassenheit aufbauen.

Du lebst Deinem Pferd Gelassenheit vor und entschärfst dadurch Situationen für Euch beide.

Das funktioniert genauso in der Bodenarbeit oder beim Spazierengehen.

Pferde spüren sehr genau, wie wir atmen.

Was Feldenkrais für uns verändern kann:

Erfahrungsbericht

„So wertvoll sind meine neuen Entdeckungen, die ich in aus den Feldenkrais-Lektionen mitnehmen darf.

Zum Beispiel das Finden und Spüren meiner Achse.

Das klingt so banal, aber gibt mir so viel Qualität und Leichtigkeit beim Reiten, Schwimmen und im sonstigen Alltag, dass ich sofort merke, wenn ich sie verloren habe und sie wieder suche bevor ich weiter mache.

Oder meine Aufmerksamkeit aufs Atmen. Ein weiches Atmen das mit der Bewegung synchron verlaufen darf. Das gelingt mir im Alltag oft noch nicht, aber mit meiner Aufmerksamkeit darauf immer besser (auch hier beim Schwimmen, bewussten Gehen u.ä.) und meine Bewegungen sind weniger anstrengend und beim Reiten empfinde ich eine Logik in den Bewegungsabfolgen.

Oftmals auch das Gefühl danach mehr Energie zu haben. Als hätte ich mich in der Bewegung stellenweise etwas ausruhen/entspannen können.

Danke Anke Recktenwald BKB Pferd & Mensch in Balance in Balance das du Feldenkrais in diesem Format anbietest. Es passiert so viel Gutes in mir während und durch die Einheiten und dein Anleiten“

Schrieb Steffi

Die neuen Online Kurse Mai / Juni 8 x Feldenkrais für Reiter (und andere) beginnen diese Woche

Mittwochs 20 Uhr, Donnerstags 9:00 Uhr

WIN WIN – statt verlieren lassen

WIN WIN – statt verlieren lassen

„Jetzt ist er wieder stur.“ „Zeig ihr, wer der Boss ist.“
Solche Sprüche hört man oft in der Reiterwelt. Das Pferd gilt als dominant, bockig oder ungehorsam — und wir sollen es bloß nicht „gewinnen“ lassen.

Doch wie Robyn einmal sagte: Was ist hier eigentlich zu gewinnen?

Wenn ein Pferd nicht tut, was wir möchten, fragen wir selten: Was hat es davon?
Wenn es ungehorsam ist folgen unangenehme Bewegungen, Schimpfen, wir machen Druck. Warum sollte das Pferd diesen unangenehmen Weg wählen, wenn Gehorsam einfacher wäre?

Manche sagen: „Dann darf es zurück zur Herde und fressen.“
Doch Pferde fressen zwar gern, aber nicht rund um die Uhr. Sie leben gern in einer Herde auf der Weide, doch auf Dauer ist auch das langweilig.
Wichtiger ist die Frage: Warum ist es für das Pferd schöner, woanders zu sein als bei uns?

Bei diesem Kampf gibt es keine Gewinner. Der Mensch erreicht vielleicht sein Ziel — doch Vertrauen geht verloren. Für das Pferd bleibt die Erfahrung, nicht gesehen, gehört oder verstanden zu werden.

Und was gewinnt der Mensch? Jemandem gezeigt zu haben, wer hier überlegen ist?
Das wissen die Pferde schon. Wir bestimmen ihren kompletten Alltag. Ist das es Gefühl, dass du suchst, wenn du zum Pferd gehst?

Für mich bedeutet Arbeit mit Pferden eine Win-Win Situation zu schaffen. Das Bedeutet: Wir beide gewinnen.
Wenn ein Pferd nicht mitmacht, werde ich zum Detektiv und suche nach Ursachen:

  • Hat es Schmerzen oder körperliche Probleme?
  • Hat es die Aufgabe wirklich verstanden?
  • Hat es Angst?

Ein Pferd, das sich gesehen und unterstützt fühlt, wird zum verlässlichen Partner.
So oft hab ich es erlebt. Wenn das Pferd erkennt dass ich auf sein Wohlergehen achte, dann achtet es auch auf meins.
Wir Menschen treffen sowieso alle Entscheidungen: Haltung, Training, Futter, Gesellschaft etc. wir entscheiden ALLES. Lasst uns Entscheidungen treffen durch die beide Seiten glücklicher werden – bei denen sich das Pferd ebenso als „Sieger“ fühlt, wie wir.
Daraus entstehen echte Partnerschaften.

Sitzschulung fü mehr Sicherheit im Sattel

Sitzschulung fü mehr Sicherheit im Sattel

Sitzschulung ist nicht gleich Sitzschulung.

Ich erinnere mich nur noch wenig an meine eigenen Sitzschulungen, bevor ich Sally Swifts Methode kennen lernte. Ich hatte immer großartige Reitlehrer in meinem Leben, doch sie konnten mir manches nicht so wirklich beibringen, und ich dachte, ich bin eben untalentiert. Ich höre gern bereit das für den Rest meines Lebens durch üben üben üben auszugleichen.

Doch Manches wollte mir nicht nur in den Körper, sondern auch einfach nicht in den Kopf. Zum Beispiel dieses tiefer sitzen. Der Sattel gab ja nun mal nicht nach, wie sollte ich denn da tiefer sitzen. Sich dafür nach hinten zu lehnen war zu derzeit noch keine Option, man wollte durchaus einen aufrecht sitzend in Reiter, der dem Pferd möglich macht über den Rücken zu gehen. Wenn ich anderem Anfänger Reitunterricht zugeschaut habe, sah ich oft eine Ermüden des Reiters, durch langes Aussitzen üben ohne Steigbügel, oder auch leichttraben üben ohne Bügel, zu hohe Geschwindigkeit, für das aktuelle Niveau des Reiters und so weiter.

Dinge die Sitzschulung nicht gerade angenehm machten, sondern eher zu angehaltenem Atem, Spannung, und der Steigerung von Ängsten führte. Gut gemeint, doch nicht gut gemacht, da es für diese Schüler schwer wird, all die Anspannung später wieder loszulassen, sowohl mental als auch körperlich.

1998 hatte ich dann meine ersten Unterricht von einer Reitlehrerin, die nicht nur im „Reiten aus der Körpermitte“ ausgebildet war, sondern auch in der „Feldenkrais-Methode“. Jetzt änderte sich meine Welt, und damit auch mein Unterrichten. Denn auch ich konnte meinen Schülern bis dahin nicht immer so gut vermitteln, was genau sie tun sollten, um für die Pferde komfortabel zu sitzen, und gleichzeitig ihre eigene Sicherheit und damit ihr Selbstvertrauen, gravieren zu erhöhen.

Sitzschulung bedeutet heute für mich, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man natürlich aufrecht, und damit locker, im Sattel sitzt, sich sicher und im Einklang mit einem freudigen Pferd bewegt.

Was bringt einem dieser Sitz?

Zwei Dinge

Zum Einen sehr viel Sicherheit. Ein Reiter der gelernt hat entspannt aufrecht zu sitzen, kann sich mühelos mit dem Pferd bewegen, selbst wenn es mal erschrickt und zur Seite geht, oder einen unvorhergesehenen Sprung über eine Pfütze macht.

In einem meiner Kurse lies ich eine Schülerin, die besser galoppieren lernen wollte, an der Longe, mit den Knien über den Pauschen, galoppieren. Sie hatte ein sehr braves, gut ausgebildetes Pferd, dass rhythmisch und gelassen galoppieren konnte. Die Beine waren nicht über den Pauschen, damit sie sich nicht festklammern konnte, sondern damit ihr Hüftgelenk leichter in die Bewegung kam. Sie hatte schon Übung mit vielen Anleitungen aus minem Unterricht und die Aufgabe war nicht sehr schwer für sie. Sie wusste wie sie sich ausbalancierte und hatte Vertrauen zu mir und ihrem Pferd.

Doch dann geschah das Unerwartete. Ein Kind, dass im Nachbargrundstück Fußball spielte, schoss den Ball plötzlich über die Hecke, in die Reitbahn, ziemlich genau zu X.

Da galoppierte der Schimmel nun gerade vorbei, und man kann ihn kaum verwehren, dass er einen Satz zur Seite machte, als der Ball ihn von hinten überholte.

Der Sprung ging nach innen, also in den Zirkel hinein, und danach lief er schnell wieder gleichmäßig weiter. Für mich an der Longe, war die Sprungrichtung natürlich wunderbar, da die Longe locker blieb, aber für die Reiterin war dies natürlich eine plötzliche Biegung des Pferdes in genau die andere Richtung als zuvor.

Ich hielt die Luft an, doch es war faszinierend zu sehen, dass dieser Sprung der Reiterin überhaupt nichts ausmacht. Ich wusste, dass ein balancierte, lockerer Sitz möglich macht mit vielem umzugehen, ohne Schwierigkeiten zu bekommen. Doch dass sie bei dieser Bewegung einfach sitzen bleiben konnte, ohne auch nur die Hände zum Sattel nehmen zu müssen, um sich fest zu halten, hat auch mich verblüfft und wieder davon überzeugt, wie grandios der Sitz ist, der sich durch diese Art der Sitzschulung entwickelt.

Wir waren beide verblüfft und gleichzeitig sehr begeistert, nicht nur von dem Sitz, sondern auch von diesem wunderbaren Pferd, dass sich, nach dem kleinen Schreck, sofort wieder gleichmäßig bewegte, um die Sicherheit seiner Reiterin im Sattel zu gewährleisten. Das ist die andere Sache, die ein guter Sitz, und natürlich auch ein freundlicher Umgang, uns schenkt.

Mit einem Reiter in diesem Sitz kann ein Pferd sich mühelos bewegen. Es macht ihm Freude den Reiter zu tragen und es kann seine eigene Bewegungsfähigkeit sogar noch verbessern lernen. So entsteht eine gemeinsame Freude und eine Förderung der Gesundheit, auch für das Pferd, und das danken sie uns durch hohe Kooperationsbereitschaft und Gelassenheit.

Auf den beiden Fotos unten reite ich ein Pferd, das ich an dem Tag erst kennenlernte.

Ich demonstrierte im Kurs mit ihm die Wirkung des Sitzes auf die Bewegungsfähigkeit des Pferdes. Schaut ihr nun auf meinen Sitz, und stellt euch vor, das Pferd würde erschrecken und einen Sprung machen, könnt ihr sicher gut erkennen, in welchem Sitz ich kaum eine Chance hätte gut oben zu bleiben, oder?

Doch nicht nur die Bewegung bei einem Schreck, einfach nur den Schwung des Trabes durch meinen Körper zu lassen, ist im aufrechten Sitz gut möglich, und in dem anderen würde es mir, auf Dauer, Rückenschmerzen verursachen.

Das kannst du auch sehen, oder?

Vieles davon kann man sogar indoor üben:

#Sitzschulung#sallyswift#centeredriding#sicherheit#reiten#pferde#losgelassenheit#schmerzfreireiten#feldenkrais

Reite mit (gutem) Gefühl

Reite mit (gutem) Gefühl


Wenn man @Linda Tellington Jones fragt, was der Schlüssel ihres Erfolges mit allen Pferden ist, sagt sie: „Mir war es immer wichtig das wir zusammen Spaß hatten.“
Das Pferd und Reiter Freude haben ist auch das was Erfolgsreiter wie Uta Gräf und Ingrid Klimke vermitteln.
Was ist der Schlüssel zur Freude?
Nun, aus meiner Sicht sind es verschiedene Dinge.

1. Ich steige immer wieder mit dem Gefühl auf, was für ein Geschenk es ist, reiten zu dürfen. Das dieses wunderbare Wesen mich trägt und mir oftmals, nahezu im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verleiht, wenn wir durch den Wald galoppieren oder über Hindernisse fliegen oder wenn es mit mir tanzt, wenn wir uns, im leisen Dialog, im Dressurviereck bewegen und es sich anfühlt als würde ich nur denken, was ich tun will, und es folgt der Gedankenübersetzung meines Körpers. Auch nach über 50 Jahren im Sattel ist dieses Gefühl noch ebenso stark wie beim 1. Mal, als ich endlich auf dem Rücken eines Pferdes sitzen durfte. Und das ist mein größter Schlüssel zum Reiten mit Freude. Die Dankbarkeit für dieses wunderbare Geschenk.

2. Das Gefühl der Partnerschaft / Freundschaft mit dem Pferd. Wenn ich spüre das es sich ebenso um mein Wohlergehen kümmert, wie ich mich um seins. Wenn es, auch in herausfordernden Situationen, achtsam ist, das mir nichts geschieht. Das es seine instinktiven Reaktionen zurückhält, selbst wenn es mal erschrickt, damit ich sicher bin.
Natürlich gehört dazu, das ich auch hinhöre, wenn es sich körperlich, mental oder emotional überfordert fühlt, denn nur, wenn ich es in einem guten Zustand trainiere kann es diese Leistung bringen.  Ab einem gewissen Maß an Angst, Schmerz oder Stress ist es kaum noch möglich. Um so mehr begeistert es mich, dass sie, selbst wenn unvorhersehbare Situationen eintreten und ich die Sicherheit gerade nicht herstellen kann, sie über sich selbst hinauswachsen um auch mich zu schützen. Die Dankbarkeit für dieses Gefühl von Miteinander, lässt mich immer wieder mit größter Freude auf den Rücken eines Pferdes steigen.

3. Sicherheit ist wohl das Wichtigste, um in der Freude zu sein.
Was brauchen wir um uns sicher zu fühlen? Ein Pferd das gelernt hat wie es sich in schwierigen Situationen sicher für sich und sein Umfeld verhalten kann, mit Körpergefühl und Selbstkontrolle und vor allem ein Gehör, ein Gefühl fürs Pferd.
Versteh ich die leisen Signale, kann ich früh genug reagieren. Die Anspannung im Rücken, den Verlust von Rhythmus im Gang (Taktstörung), Verlust der Tragkraft, verzögerte Reaktion auf meine Hilfen, all diese Dinge signalisieren mir, wenn mein Pferd sich nicht wohl fühlt. Und wenn ich das gleich verändere, sind wir sicher.  Spürt man all das nicht hat man das Gefühl das das Pferd sich „plötzlich“ „aus dem Nichts heraus“ gefährlich verhält. Doch es sendet zu 99 % zuvor Zeichen, die oft überhört werden. Diese sind nicht immer sichtbar, meist ist es eine gefühlte Wahrnehmung,  wenn man im Sattel sitzt. Darum ist es so wichtig Fühlen zu lernen. Mit den Beinen, mit den Sitzbeinen, mit den Händen, ja, mit dem ganzen Körper, denn der Dialog beim Reiten geht über Fühlen. Und je besser mein Gefühl, desto sicherer bin ich, wenn ich den ersten Zeichen schon Beachtung schenke und die Situationen entschärfe.

4. Liebe! Ja, ich bin sicher das die Pferde uns zutiefst lieben, selbst wenn wir nicht fair sind. Sie verstehen uns dann oft nicht, doch sie lieben uns bedingungslos. Und nein, es braucht keine Leckeres um diese Liebe zu „füttern“ Sie ist einfach da.
Und selbst die Pferde meiner Schüler, oder die Trainingspferde die zu mir kommen, lassen mich diese Liebe spüren. Und ich sehe immer wieder wie sie ihren Menschen ihre Liebe erweisen, unabhängig davon wie freundlich oder unfreundlich die sich ihnen gegenüber verhalten.
Und das macht min Herz immer wieder weit und auch die Dankbarkeit für diese große Liebe in ihrem Herzen, die sie uns schenken, macht mich immer wieder glücklich.

Und all das lässt mich lächeln, wenn ich aufsteige, und manchmal könnte ich während des Reitens vor Freude juchzen, über all diese Dinge, mit denen das Pferd mein Dasein bereichert.
Und wenn ich dann später Fotos sehe, auf denen das Pferd dann auch leuchtet, lächelt, Selbstbewusstsein zeigt, weil es sich darüber freut, das es mich glücklich machte, dann lacht mein Herz erneut.