Für mich ist die Zeit mit den Pferden schon ein Geschenk.
Ja, noch immer, obwohl es schon Jahrzehnte mein Beruf ist. Ja, auch das Putzen – ich würde es mir nie von einem Praktikanten oder Azubi abnehmen lassen.
Es ist ein Teil meines Tages, auf den ich mich immer noch freue, wie schon als kleines Kind. Es hat für mich nichts an Magie verloren.
Eine Zeit, in der ich zur Ruhe komme, beobachte, spüre und einfach bei meinem Pferd sein kann.
Die Pferde verschönern mir meinen Tag.
Sie machen mich glücklich, verleihen mir Flügel und schenken mir ihre Freundschaft. Sie lassen mich staunen, fördern meine Kreativität und zeigen mir immer wieder, was liebevolles Handeln ist.
Dafür bin ich dankbar.
Und diese Dankbarkeit möchte ich ihnen immer zeigen, wenn ich bei ihnen bin. Auch schon beim Putzen.
Achtsam putzen
Deshalb gehört für mich das Putzen ganz selbstverständlich zur gemeinsamen, wertvollen Zeit.
Mit langen Strichen gleitet die Bürste über das Fell – Genusszeit. Ich freue mich, wenn es entspannt blinzelt oder sich zu mir umdreht, um in Kontakt zu gehen und seine Anerkennung für meine Achtsamkeit zu zeigen.
Dabei schaue ich schon hin:
Wie steht mein Pferd heute? Wie fühlt sich sein Körper an? Wo liebt es den Strich der Bürste, wo spannt es sich vielleicht darunter an? Wo sagt es mir, dass ich langsamer werden soll oder dass es gerade ein bisschen juckt?
Und bei jedem Strich denke ich:
„Spür die Verbindung in dir. All das bist du, dein Körper, fühle dich als Ganzes. Was für ein Prachtwerk der Natur. Ich liebe es, bei dir zu sein.“
Meine Intention kommt an. Das sieht man an den Augen, am Entspannen des Halses, am tieferen Atem.
Und beim späteren Arbeiten kann ich erkennen, wie diese Art des Putzens das Körpergefühl stärkt, das Bewusstsein für Verbindung im Körper.
Und es ist ein Dialog mit einem geliebten Lebewesen. Von Herz zu Herz.
Und natürlich merke ich auch, wie es mir selbst geht. Wenn der Dialog nicht so wirklich entsteht, mein Pferd zwar ruhig steht, aber nicht entspannt, dann bin ich zu schnell, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt.
Ich lasse mich lenken, werde ruhiger, atme selbst wieder in den unteren Rücken, bis ich sehe, dass das Pferd es auch tut. Wir kommen in mentale und physische Losgelassenheit.
Das ist so wertvoll – ein wichtiger Schritt für das Reiten mit Gelassenheit.
Putzen ist viel mehr als das Entfernen von Schmutz.
Es ist Verbindung.
Ich kann dann einem Pferd meine Aufmerksamkeit schenken und zuhören, wie es ihm heute geht.
Natürlich gibt es Tage, an denen vieles ansteht. Gerade dann finde ich es schön, die Zeit beim Pferd bewusst zu erleben.
Vielleicht sind es manchmal nur 20 Minuten. Für die Qualität dieser Zeit spielt die Länge keine Rolle, sondern ob ich präsent bin und zuhöre.
Ich möchte diese Zeit genießen und ich möchte, dass mein Pferd sie genießt.
Als kleines Dankeschön für all das, was mein Pferd mir immer wieder schenkt.
Ich bestimme seinen Tagesablauf, wo und mit wem es lebt, was es frisst und wann. Ich kontrolliere sein ganzes Sein und doch schenkt es mir seine Freundschaft und Zuneigung.
Und gerade beim Putzen erinnere ich mich gern daran, wie dankbar ich dafür bin. Jeder Bürstenstrich ist ein kleines Dankeschön.
Und so vertiefen wir unsere Bindung, mit jedem einzelnen Strich.
Ich freue mich immer sehr, wenn meine Schülerinnen das ebenso übernehmen und genießen, wie hier, @Grit Rother, die schon einige Jahre mit mir arbeitet, mit ihrer jungen Stute:
Den Trab beginne ich gern im Entlastungssitz. Dafür nehme ich die Zügel etwas mehr auf, damit sie nicht zu stark schwingen. Ich lasse sie aber weiterhin lang – nur eben nicht hingegeben.
Der Entlastungssitz ist eine Sitzposition, bei der der Reiter den Oberkörper leicht nach vorne neigt und das Becken entsprechend nach hinten bringt. Man kann sich sogar vorstellen, man wolle sich hinter den Sattel setzen und dabei gerade so über dem Sattel schweben, damit man wirklich mit dem Schwerpunkt über dem des Pferdes bleibt.
Wie weit man sich nach vorne neigt oder ob man nahezu aufrecht bleibt, hängt sehr stark vom Pferd ab.
Bei einem Pferd mit wenig Rückenbewegung, wie einem Andalusier oder vielen Quarter Horses und Isländern, braucht es gegenüber dem Aussitzen nur eine geringe Veränderung. Reitet man dagegen ein Pferd mit viel Rückenbewegung, das gleichzeitig noch dazu neigt, auf der Vorhand zu laufen, muss man sich oftmals stärker einfalten, um die Bewegung durch den eigenen Körper schwingen zu lassen.
So verhindert man, nach vorne zu fallen und sich mit den Knien festzuhalten. Bleibt man selbst in der Mitte kommt auch schon so manches Pferd von der Vorhand ins Gleichgewicht.
Der Entlastungssitz wurde früher grundsätzlich zum Einreiten junger Pferde, der sogenannten Remonten, empfohlen und heißt deshalb auch Remontesitz.
Doch auch beim Traben über Stangen ist er grundlegend empfehlenswert oder beim Reiten in unwegsamem Gelände, um dem Pferd die Möglichkeit zu geben, seinen Rücken frei zu organisieren.
Und ebenso wie man damit den Rücken eines jungen, noch nicht trainierten Pferdes dazu bringen wollte, sich unter dem Reiter gut zu bewegen, kann man ihn auch bei Reitpferden einsetzen, deren Rückentätigkeit verbessert werden soll.
Außerdem ist es die Sitzart, die am schnellsten zu lernen ist, das Pferd am wenigsten stört und mit der man bereits sehr viel reiten kann – zumindest im Bereich der Grundlektionen.
Wenn Reitanfänger zu mir kommen, lernen sie diesen Sitz zuerst. Meist können sie schon am Ende der ersten Reitstunde damit locker und leicht durch die Bahn traben oder mit mir auf einem Handpferd ins Gelände reiten. Selbst wenn jemand mit 60 oder 70 Jahren zum ersten Mal auf dem Rücken eines Pferdes sitzt, kann das schnell und angenehm gehen – für alle Beteiligten.
Unsere Knochen sind lebendiges Gewebe. Sie reagieren auf Bewegung, auf leichten Druck und auf die Art, wie wir unseren Körper im Alltag benutzen.
Bones for Life® lädt dazu ein, genau das zu erforschen.
Mit einfachen, sanften Bewegungen entsteht mehr Bewusstheit für den eigenen Körper. Die Aufrichtung kann sich verändern, Bewegungen können leichter werden und Stabilität kann sich entwickeln.
Wir arbeiten mit Bewegung, leichtem Druck und manchmal auch mit einem langen Baumwolltuch.
Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Wahrnehmung:
Wie kann ich mich so bewegen, dass mein Körper sich gut organisiert?
Ein Kurs zum Ausprobieren, Entdecken und Spüren.
Für lebendige Bewegung.
Für stabile Knochen.
Für mehr Leichtigkeit im eigenen Körper.
Ich freue mich auf dich!
Das Foto zeigt Ruthy Alon, die Frau die Bones for life entwickelte und bis ins hohe Alter unterrichtet hat
Wenn deine Pferd von der Koppel kommt und durch die Bewegung mit der Herde seine Gelenke gut geölt sind und seine Muskeln bewegt, und du ein paar Ttouch gemacht hast, die es brauchte, kannst du normalerweise direkt aufsteigen.
Hat dein Pferd nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und steht mehr, wenn du nicht da bist, führe es erst ein bisschen bevor du aufsteigst und lausche seinen Schritten. Beobachte währenddessen, ob alles in Ordnung ist, wie es atmet, wie frei es schreitet, wie es den Kopf trägt, wie es ihm geht.
Danach steige ich auf und reite zuerst einmal im Schritt am hingegebenen Zügel. Dabei checke ich schon mal die 4 Bausteine (nach Sally Swift).
Welches sind die 4 Bausteine?
Der 1. Baustein sind weiche, umfassend blickende Augen.
Es ist erstaunlich, zu beobachten was sich alles verändert, wenn man das Genick fokkusiert, oder ob man mit einem weichen, umfassenden Blick nach vorne schaut. Viele Reiter schauen meistens nach unten, um zu sehen, wo der Kopf ihres Pferdes gerade ist. Dabei entsteht oft ein Tunnelblick, der uns das Umfeld nicht mehr richtig wahrnehmen lässt. Dabei verliert man nicht nur die anderen Reiter aus dem Blick, (wenn man nicht alleine reitet) sondern auch das Gefühl für den eigenen Körper und die Bewegung des Pferdes. Wenn unsere Augen einen Punkt fixieren, kann auch der Atem nicht mehr frei fließen. Schaut man jedoch nach vorn, beim Reiten von Bahnfiguren z.B. auf seinen Zielpunkt, kann man den Blick weich und weit stellen, so dass man fast 180 ° erfassen kann.
Mit diesen weichen Augen reitet man nicht nur die Linien korrekter, sondern kann sich selbst besser spüren und der Bewegung des Pferdes besser folgen und somit auch mehr Losgelassenheit erreichen.
Mach mal ein Experiment:
Reite einfach mal ganze Bahn und fühle, wie gut du Deine Füße im Steigbügel fühlst, wie Du Deine Sitzbeine im Sattel wahrnehmen kannst und wie rund die Bewegung Deines Pferdes ist. Spüre, wo Dich dein Atem bewegt und nachdem du das wahrgenommen hast, schau für einige Schritte genau auf die Ohren oder das Genick Deines Pferdes, so wie Du es vielleicht von Deinem Reiten auch schon kennst und beobachte, wie sich dabei die Wahrnehmung der Füße, der Sitzbeine, der Pferdebewegung und Dein Atem verändert.
Dann ändere es wieder und schau in die Ferne mit einem weichen, entspannten Blick. Bemerkst du die Veränderung in Deiner Wahrnehmung für dich selbst und dein Pferd.
Spürst du wie du angespannter wirst, wenn dein Blick fixiert ist, deine Sitzbeine sich härter anfallen, die Wahrnehmung der Füße vielleicht sogar verloren geht.
Manche fühlen sich härter werden, andere verlieren das Gefühl für Füße und Sitzbeine, wenn sie sich fixieren. Mit den weichen Augen werden auch unsere Muskeln wieder frei und beweglich. Dadurch fühlen wir mehr, denn angespannt Muskeln können nicht gut fühlen. Die Fixierung der Augen fixiert auch den Brustkorb und damit auch den Atem.
Wann fühlt sich die Bewegung Deines Pferdes runder und fließender an? Wenn Du in die Ferne schaust oder wenn Du das Genick fixierst? Wahrscheinlich kannst Du bemerken, wie dein Pferd deiner Fixierung folgt und die Bewegungen härter, unrunder werden, im Trab dann auch unbequemer zu sitzen., wenn dein Blick die Ohren fixiert, oder das Genick.
Der weite, weiche Blick nach vorne erlaubt uns auch unseren Kopf über der Wirbelsäule zu tragen, anstatt ihn hängen zu lassen, als würde man auf ein Handy schauen. In vielen Studien wurden schon die Nachteile aufgeführt, wenn man diese aufs Handy schauen-Haltung einnimmt.
Genauso ist es, wenn man auf den Pferdehals schaut. Eine aufrechte Haltung ist so nicht möglich. Man nimmt wenig wahr. Der weiche, umfassende Blick gibt uns die Möglichkeit, uns leichter aufzurichten und sowohl uns, als auch das Pferd umfassend zu spüren.
„Die einzig wahre Wissenschaft ist das Experiment“ sagt Dr. Manfred Winterheller, darum probiere es am Besten gleich mal aus und fühle selbst. Lass dir ruhig Zeit und wechsele den Blick nicht schneller als alle 10 – 20 Schritte.
Kennst du das? Man versucht alles richtig zu machen… und erreicht genau das Gegenteil.
Bild 1: Falsch verstandene Aufrichtung Aufrichten heißt nicht „strecken“.Beim Gedanken Brust raus: • wird der Rücken hohl und fest • die Schultergelenke kommen hinter die Hüftgelenke • Atmung wird flach, die Hand fest
Bild 2: Absatz tief „Absatz tief!“ – ein Satz, den wir alle kennen.
Aber: Zu viel Druck im Sprunggelenk blockiert die Federung im ganzen Bein. • Fuß ist unterm Knie, statt unter das Becken • Hüft-, Knie- und Sprunggelenk werden fest – Federung wird unmöglich • ein losgelassener Sitz ist kaum möglich
Bild 3: Hände zu weit vorne & unten Viele Reiter strecken die Hände bewusst nach vorne-unten, um „weich“ und nachgiebig zu sein. Doch genau dadurch geht die Nachgiebigkeit verloren: • die Feinmotorik der Hände verschwindet • Schultern runden nach vorne • der Rücken spannt an, um nicht nach vorne zu fallen • die Hüfte blockiert
Zusätzliches Problem bei Bild 1 & 2: Es entsteht punktueller Druck auf den Pferderücken → das Pferd kann den Rücken nicht mehr aufwölben.
Die Lösung liegt nicht im „anstreben“, sondern im spüren lernen. Wer spürt versteht!
Genau darum geht es in meinen Reitkursen mit Sitzschulung Spüren – Vergleichen – Verstehen mehr Leichtigkeit, echte Verbindung und feine Hilfen.