Ein paar Wochen sind nun seit unserem ersten Tellington Kurs vergangen, daher möchte ich dir ein kleines Feedback zu den Erfahrungen geben, die ich bisher zuhause mit unseren 3 Stuten sammeln konnte.
Die beiden Golden Girls mit 29 bzw 30 Jahren genießen den TTouch im Allgemeinen sehr. Kim – Jahrgang 1996, hoch im Blut stehend und nachwievor sehr hyperaktiv – war seit jeher äußerst berührempfindlich am Hals und Unterbauch. Während und nach den TTouches jedoch wirkt sie entspannt und zufrieden. Und trotz EOTRH mag sie den Maul-Touch an der oberen Zahnreihe besonders.
Die junge Stute zeigt sich nach der Anwedung diverser TTouches und dem Abstreichen mit dem Zauberstab deutlich gehoben im Brustkorb und gelöster in der gesamten Bewegung. Sie wirkt zufriedener in ihrem Körper und die neuerlernte Tellington Führposition scheint ihr dabei zu helfen, die Fragen des Menschen richtig zu interpretieren.
Gerdade an der Wirkung dieser habe ich ja ehrlich gesagt zu Beginn ein bissal gezweifelt aber was soll ich sagen…. „Change your mind“ & ein weiches Gesicht – und schon geht vieles so viel leichter.
Wie viel doch kleine Veränderungen bewirken können.
Bedanken möchte ich mich noch besonders für die Art, deine Kurse zu gestalten. Man begegnet sich zu 100% auf Augenhöhe. Die Tage sind geballt voll mit neuen Erfahrungen – und trotzdem herrscht eine absolut entspannte Atmosphäre!
Vielen Dank
Carolin“
Foto: Carolin und ihre junge Stute beim nonverbalen TTouch Gespräch
Für mich ist die Zeit mit den Pferden schon ein Geschenk.
Ja, noch immer, obwohl es schon Jahrzehnte mein Beruf ist. Ja, auch das Putzen – ich würde es mir nie von einem Praktikanten oder Azubi abnehmen lassen.
Es ist ein Teil meines Tages, auf den ich mich immer noch freue, wie schon als kleines Kind. Es hat für mich nichts an Magie verloren.
Eine Zeit, in der ich zur Ruhe komme, beobachte, spüre und einfach bei meinem Pferd sein kann.
Die Pferde verschönern mir meinen Tag.
Sie machen mich glücklich, verleihen mir Flügel und schenken mir ihre Freundschaft. Sie lassen mich staunen, fördern meine Kreativität und zeigen mir immer wieder, was liebevolles Handeln ist.
Dafür bin ich dankbar.
Und diese Dankbarkeit möchte ich ihnen immer zeigen, wenn ich bei ihnen bin. Auch schon beim Putzen.
Achtsam putzen
Deshalb gehört für mich das Putzen ganz selbstverständlich zur gemeinsamen, wertvollen Zeit.
Mit langen Strichen gleitet die Bürste über das Fell – Genusszeit. Ich freue mich, wenn es entspannt blinzelt oder sich zu mir umdreht, um in Kontakt zu gehen und seine Anerkennung für meine Achtsamkeit zu zeigen.
Dabei schaue ich schon hin:
Wie steht mein Pferd heute? Wie fühlt sich sein Körper an? Wo liebt es den Strich der Bürste, wo spannt es sich vielleicht darunter an? Wo sagt es mir, dass ich langsamer werden soll oder dass es gerade ein bisschen juckt?
Und bei jedem Strich denke ich:
„Spür die Verbindung in dir. All das bist du, dein Körper, fühle dich als Ganzes. Was für ein Prachtwerk der Natur. Ich liebe es, bei dir zu sein.“
Meine Intention kommt an. Das sieht man an den Augen, am Entspannen des Halses, am tieferen Atem.
Und beim späteren Arbeiten kann ich erkennen, wie diese Art des Putzens das Körpergefühl stärkt, das Bewusstsein für Verbindung im Körper.
Und es ist ein Dialog mit einem geliebten Lebewesen. Von Herz zu Herz.
Und natürlich merke ich auch, wie es mir selbst geht. Wenn der Dialog nicht so wirklich entsteht, mein Pferd zwar ruhig steht, aber nicht entspannt, dann bin ich zu schnell, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt.
Ich lasse mich lenken, werde ruhiger, atme selbst wieder in den unteren Rücken, bis ich sehe, dass das Pferd es auch tut. Wir kommen in mentale und physische Losgelassenheit.
Das ist so wertvoll – ein wichtiger Schritt für das Reiten mit Gelassenheit.
Putzen ist viel mehr als das Entfernen von Schmutz.
Es ist Verbindung.
Ich kann dann einem Pferd meine Aufmerksamkeit schenken und zuhören, wie es ihm heute geht.
Natürlich gibt es Tage, an denen vieles ansteht. Gerade dann finde ich es schön, die Zeit beim Pferd bewusst zu erleben.
Vielleicht sind es manchmal nur 20 Minuten. Für die Qualität dieser Zeit spielt die Länge keine Rolle, sondern ob ich präsent bin und zuhöre.
Ich möchte diese Zeit genießen und ich möchte, dass mein Pferd sie genießt.
Als kleines Dankeschön für all das, was mein Pferd mir immer wieder schenkt.
Ich bestimme seinen Tagesablauf, wo und mit wem es lebt, was es frisst und wann. Ich kontrolliere sein ganzes Sein und doch schenkt es mir seine Freundschaft und Zuneigung.
Und gerade beim Putzen erinnere ich mich gern daran, wie dankbar ich dafür bin. Jeder Bürstenstrich ist ein kleines Dankeschön.
Und so vertiefen wir unsere Bindung, mit jedem einzelnen Strich.
Ich freue mich immer sehr, wenn meine Schülerinnen das ebenso übernehmen und genießen, wie hier, @Grit Rother, die schon einige Jahre mit mir arbeitet, mit ihrer jungen Stute:
Wenn deine Pferd von der Koppel kommt und durch die Bewegung mit der Herde seine Gelenke gut geölt sind und seine Muskeln bewegt, und du ein paar Ttouch gemacht hast, die es brauchte, kannst du normalerweise direkt aufsteigen.
Hat dein Pferd nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und steht mehr, wenn du nicht da bist, führe es erst ein bisschen bevor du aufsteigst und lausche seinen Schritten. Beobachte währenddessen, ob alles in Ordnung ist, wie es atmet, wie frei es schreitet, wie es den Kopf trägt, wie es ihm geht.
Danach steige ich auf und reite zuerst einmal im Schritt am hingegebenen Zügel. Dabei checke ich schon mal die 4 Bausteine (nach Sally Swift).
Welches sind die 4 Bausteine?
Der 1. Baustein sind weiche, umfassend blickende Augen.
Es ist erstaunlich, zu beobachten was sich alles verändert, wenn man das Genick fokkusiert, oder ob man mit einem weichen, umfassenden Blick nach vorne schaut. Viele Reiter schauen meistens nach unten, um zu sehen, wo der Kopf ihres Pferdes gerade ist. Dabei entsteht oft ein Tunnelblick, der uns das Umfeld nicht mehr richtig wahrnehmen lässt. Dabei verliert man nicht nur die anderen Reiter aus dem Blick, (wenn man nicht alleine reitet) sondern auch das Gefühl für den eigenen Körper und die Bewegung des Pferdes. Wenn unsere Augen einen Punkt fixieren, kann auch der Atem nicht mehr frei fließen. Schaut man jedoch nach vorn, beim Reiten von Bahnfiguren z.B. auf seinen Zielpunkt, kann man den Blick weich und weit stellen, so dass man fast 180 ° erfassen kann.
Mit diesen weichen Augen reitet man nicht nur die Linien korrekter, sondern kann sich selbst besser spüren und der Bewegung des Pferdes besser folgen und somit auch mehr Losgelassenheit erreichen.
Mach mal ein Experiment:
Reite einfach mal ganze Bahn und fühle, wie gut du Deine Füße im Steigbügel fühlst, wie Du Deine Sitzbeine im Sattel wahrnehmen kannst und wie rund die Bewegung Deines Pferdes ist. Spüre, wo Dich dein Atem bewegt und nachdem du das wahrgenommen hast, schau für einige Schritte genau auf die Ohren oder das Genick Deines Pferdes, so wie Du es vielleicht von Deinem Reiten auch schon kennst und beobachte, wie sich dabei die Wahrnehmung der Füße, der Sitzbeine, der Pferdebewegung und Dein Atem verändert.
Dann ändere es wieder und schau in die Ferne mit einem weichen, entspannten Blick. Bemerkst du die Veränderung in Deiner Wahrnehmung für dich selbst und dein Pferd.
Spürst du wie du angespannter wirst, wenn dein Blick fixiert ist, deine Sitzbeine sich härter anfallen, die Wahrnehmung der Füße vielleicht sogar verloren geht.
Manche fühlen sich härter werden, andere verlieren das Gefühl für Füße und Sitzbeine, wenn sie sich fixieren. Mit den weichen Augen werden auch unsere Muskeln wieder frei und beweglich. Dadurch fühlen wir mehr, denn angespannt Muskeln können nicht gut fühlen. Die Fixierung der Augen fixiert auch den Brustkorb und damit auch den Atem.
Wann fühlt sich die Bewegung Deines Pferdes runder und fließender an? Wenn Du in die Ferne schaust oder wenn Du das Genick fixierst? Wahrscheinlich kannst Du bemerken, wie dein Pferd deiner Fixierung folgt und die Bewegungen härter, unrunder werden, im Trab dann auch unbequemer zu sitzen., wenn dein Blick die Ohren fixiert, oder das Genick.
Der weite, weiche Blick nach vorne erlaubt uns auch unseren Kopf über der Wirbelsäule zu tragen, anstatt ihn hängen zu lassen, als würde man auf ein Handy schauen. In vielen Studien wurden schon die Nachteile aufgeführt, wenn man diese aufs Handy schauen-Haltung einnimmt.
Genauso ist es, wenn man auf den Pferdehals schaut. Eine aufrechte Haltung ist so nicht möglich. Man nimmt wenig wahr. Der weiche, umfassende Blick gibt uns die Möglichkeit, uns leichter aufzurichten und sowohl uns, als auch das Pferd umfassend zu spüren.
„Die einzig wahre Wissenschaft ist das Experiment“ sagt Dr. Manfred Winterheller, darum probiere es am Besten gleich mal aus und fühle selbst. Lass dir ruhig Zeit und wechsele den Blick nicht schneller als alle 10 – 20 Schritte.
Unsere Atmung steht in direkter Verbindung mit unserem vegetativen Nervensystem. Freude, Stress, Anspannung oder Entspannung verändern unmittelbar Atemrhythmus, Atemtiefe und Muskeltonus. Während uns diese Veränderungen oft kaum bewusst sind, nehmen Pferde sie sehr differenziert wahr.
Pferde waren über Jahrtausende „Beutetiere“, wir und andere Tiere, die „Jäger“. Darum sind sie darauf spezialisiert, kleinste Veränderungen im Umfeld zu registrieren. In der Herde konnte ein veränderter Atemzustand eines einzelnen Tieres bereits auf mögliche Gefahr hinweisen und alle reagierten darauf.
Diese feine Wahrnehmungsfähigkeit ist bis heute erhalten geblieben. Pferde spüren genau unsere Atemmuster, innere Spannung und emotionale Zustände.
Ein ruhiger, gleichmäßiger Atem vermittelt Sicherheit und unterstützt Regulation, Balance und Losgelassenheit – sowohl beim Menschen als auch beim Pferd. Bereits im Alltag, beispielsweise beim Führen zur Koppel oder beim Putzen, kann bewusstes Atmen helfen, aus der Hektik des Tages herauszufinden und mehr Präsenz sowie körperliche Stabilität zu entwickeln. Die Tellington Herzumarmung, schon vor der Begegnung mit dem Pferd ausgeführt, wirkt immer weider erstaunlich, schon ab dem Moment der Begegnung.
Ebenso aussagekräftig ist die Atmung des Pferdes selbst. Freie, physiologische Atmung zeigt sich nicht ausschließlich im Bauchraum oder an den Nüstern. Ein losgelassenes Pferd erweitert den Brustkorb dreidimensional und bewegt beim Einatmen auch die Wirbelsäule nach oben, während sich die Rückenmuskeln längen.
Es lohnt sich daher, die Atembewegung des Pferdes mal genau zu beobachten:
Wo ist Bewegung sichtbar? In den Flanken? Im Brustkorb? Auf dem Rücken?
Wie verändert sich die Atmung in unterschiedlichen Situationen?
Einschränkungen der Brustkorbbeweglichkeit – beispielsweise durch muskuläre Spannung, durch zu viel Kopfkontrolle in der Bodenarbeit, oder unpassendes Equipment – können die Atemmechanik deutlich beeinflussen. Dies wirkt sich nicht nur auf die Leistungsfähigkeit, sondern auch auf Losgelassenheit, Bewegungsqualität und allgemeines Wohlbefinden aus.
Tellington Körperarbeit können helfen, die Atembewegung wieder zu erweitern und damit Entspannung, Stabilität und Gesundheit nachhaltig zu unterstützen – für Pferd und Mensch gleichermaßen.
Auch beim Satteln hilft der Tellington Bauchheber das Pferd in der Logelassenheit zu unterstützen, so dass es entspannt weiter atmet, statt die Luft anzuhalten. Und wer frei atmet, kann besser handeln, weil er sich einfach wohler fühlt. Darum ist es gut auch beim Reiten ans Atmen zu denken. Mit Feldenkrais und Sally Swifts Techniken kann ich euch mit vielen Tools weiter helfen, wenn ihr Lust darauf habt, schreibt: „Besser atmen“ in den Kommentar.
Ob auf einem Kurs, in Online Einzelstunden oder auf den Touren. Wir finden einen gemeinsamen Weg.
Kennt ihr das, wenn etwas Blödes geschieht, und man ärgert sich und weiß manchmal erst gar nicht weiter und dann entsteht genau daraus etwas ganz Wunderbares?
So ging es meiner Schülerin Laura.
Ihre Freibergerin stand eine recht weite Strecke weg und gehörte ihr zusammen mit 2 andern Reiterinnen, so dass sie regelmäßig geritten wurde, auch wenn Laura nicht immer kommen konnte.
Als Mutter von 2 kleinen Kindern war ihre Zeit immer ein bisschen knapp.
Laura begann mit mir zu arbeiten und lernte ihre Stute neu kennen und schätzen. Leider waren die Mitreiter nicht interessiert.
Dann verletzte sich die Stute und kam zuerst in eine Klinik. Dann sollte die Verletzung intensiv versorgt werden, was sie nun in dem Stall nicht mehr leisten konnten.
Laura fand einen Stall in ihrer Nähe, so dass sie auch mehrmals täglich hin fahren und sich um ihr Pferd kümmern konnte.
Den Andern war das nun zu aufwenig und sie wollten die Stute nicht mehr haben.
Laura übernahm sie ganz. Sie war erst etwas verzweifelt, wie sollte sie das alleine schaffen? Doch inzwischen war ihr die Sute so ans Herz gewachsen, und ihr Wohlergehen so wichtig, dass sie einfach weiter Lösungen suchte. Auch neue Reitbeteiligungen, doch nun erkannte sie, das ihre Stute sich mit denen nicht so wohl fühlte, denn auch die wollten einfach nur reiten, ohne in Beziehung mit der Stute zu gehen.
Laura begann ihre beiden kleinen Jungs mitzunehmen, sie hatte inzwischen gerlernt, dass ihre Stute freundlich war, und eigetnlich keine Gefahr für kleine Kinder. Die Jungs verliebten sich bald in die Stute. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Es schien als hätte die Freibergerin nur darauf gewartet Teil einer Familie zu werden. Sie ist so achtsam mit den kleinen Jungs, 2 und 4 Jahre, ist so gern mit ihnen zusammen und geniest die Liebe und das Gesehen werden von der ganzen Familie. Laura, die immer weiter lernt ihr Pferd besser zu verstehen und zu sehen und ihr Gutes zu tun, spürte wie sich ihre Bindung vertiefte und das die Stute sie immer schon erwartete, wenn sie kam.
Als wir nun Unterricht vor Ort hatten, war die Familie dabei.
Und ich war so berührt wie die Stute mit den Jungs interagiert. Sie versuchte sogar ihnen zu helfen den Tellington Lernparcours aufzubauen. Leider hab ich kein Foto, wie sie die Stange ins Maul nimmt, als wolle sie sie positionieren helfen.
Die Jungs kennen auch schon Namen von TTouch und Führpositionen, da sie immer mit lernen, wenn Mama übt.
Am Ende sind sie dann auch noch ohne Sattel geritten und haben altersgerechte Vertrauensübungen auf dem Rücken der Stute gemacht, die alles wunderbar ruhig tolerierte und die Freude der Jungs ebenso zu genießen schien, wie ich.
Was für ein Geschenk für ein Pferd, wenn es von einem Freizeitpferd, für 3 ganz verschienden Leute, zu einem Familienpferd wird. Auch ein Geschenk für die Familie, ein solches Pferd zu haben, das mit Körper, Geist und Herz bei allem gern dabei ist.
Laura freut sich noch immer, wenn sie eine Reitbeteiligung findet, aber nur Jemanden mit einem Tellington Herz