Viele denken, das es von der Kontrolle über das Pferd abhängt und sicher ist das ein wichtiger Punkt, doch meiner Ansicht nach hängt es noch viel mehr am Sitz, an der eigenen Stabilität und Beweglichkeit. An der Möglichkeit sich an überraschend eintretende Situationen anzupassen.
Denn das Leben hält immer Überraschungen für uns bereit, ob mit oder ohne Pferd, und je mehr wir uns diesen anpassen können, desto entspannter gleiten, bzw. reiten wir durch’s Leben.
Eine „volle Kontrolle“ über die Zukunft, und mögen es nur die nächsten 5 min sein, gibt es nie.
Vor 18 Jahren, als es mir nach dem 3. Ausbildungsjahr des Feldenkrais Trainings schon mal erlaubt war Gruppenstunden zu unterrichten, hatte ich eine Teilnehmerin im Kurs die nicht mehr die Allerjüngste war und Angstreiterin. Ihr Vater züchtete Islandpferde, doch sie ritt immer nur diese eine Stute, zu der sie Vertrauen hatte.
In diesem Kurs machte sie ihre ersten Erfahrungen mit der Feldenkrais Methode.
Leider wurde die Stute ein paar Wochen danach, durch eine Verletzung, unreitbar. Die Frau war nicht bereit auf ein anderes Pferd zu steigen, dazu fehlte ihr die Sicherheit.
Doch sie war durch die Entwicklungen im Kurs so neugierig geworden, das sie die 4 jährige FELDENKRAIS Ausbildung machte.
Nach diesen 4 Jahren, in denen sie kein Pferd ritt, meldete sie sich wieder zu einem Kurs an. Ihre Schwester, die die Isländer ihres Vaters auf Turnieren vorstellte, gab ihr ein braves Pferd, und sie hatte wieder den Mut zu reiten. Gerade 2 Wochen nachdem sie zum 1. Mal auf dem Pferd saß, begann der Kurs.
Und ich war so verblüfft.
Sie ritt als hätte sie die 4 Jahre geübt. Sie war locker, stabil und so viel sicherer und selbstbewusster.
Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich sie damals fragte, ob sie wirklich nicht geritten sei, in den 4 Jahren.
Mit der Zeit sah ich diese Entwicklung öfter, nein, nein, nicht alle wurden Feldenkrais Lehrer, aber den Zugewinn an Sicherheit, durch die Erfahrungen aus der Feldenkrais Methode.
Anpassungsfähigkeit ist ein Zeichen für Intelligenz, sagt man, und, aus den Erfahrungen heraus, würde ich sagen, das diese Intelligenz das Leben leichter und schöner macht.
„Wenn du nicht weißt, was du tust, kannst du nicht tun, was du willst.“ Moshe Feldenkrais
Wie oft hast du ein Bild von dir im vor Augen, wie du dich mit deinem Pferd als Einheit bewegst?
Hast du dich dabei zufällig einmal filmen lassen und warst entsetzt darüber, wie das in Wirklichkeit ausgesehen hat?
Das liegt daran, dass wir oft einfach kein reelles Körpergefühl haben! Doch nicht Verzagen: Das kann geschult werden!
Moshe Feldenkrais hat eine Methode entwickelt, Beweglichkeit und Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und dabei so effizient wie möglich Kraft einzusetzen. Linda Tellington-Jones hat die Methode für Pferd und Reiter anwendbar gemacht und Anke Recktenwald erklärt in der aktuellen Natural Horse 3/2022, wie sie beim Reiten wirkt.
Dein Interesse ist geweckt? Du willst mehr darüber erfahren, wie die Feldenkrais® – Methode dir hilft, die Bewegung, die du dir vorstellst (und nicht eine völlig andere) auszuführen?
Wertvoll sind meine neuen Entdeckungen die ich in der gesamten Winterzeit aus den Feldenkrais-Lektionen mitnehmen darf.
Zum Beispiel das Finden und Spüren meiner Achse.
Das klingt so banal, aber gibt mir so viel Qualität und Leichtigkeit beim Reiten, Schwimmen und im sonstigen Alltag, dass ich sofort merke, wenn ich sie verloren habe und sie wieder suche bevor ich weiter mache.
Oder meine Aufmerksamkeit aufs Atmen. Ein weiches Atmen das mit der Bewegung synchron verlaufen darf. Das gelingt mir im Alltag oft noch nicht, aber mit meiner Aufmerksamkeit darauf immer besser (auch hier beim Reiten, Schwimmen, bewussten Gehen u.ä.) und meine Bewegungen sind weniger anstrengend und beim Reiten empfinde ich eine Logik in den Bewegungsabfolgen.
Oftmals auch das Gefühl danach mehr Energie zu haben. Als hätte ich mich in der Bewegung stellenweise etwas ausruhen/entspannen können.
Danke Anke in Balance das du Feldenkrais anbietest. Es passiert so viel Gutes in mir während und durch die Einheiten und dein Anleiten…
Ein paar Wochen sind nun seit unserem ersten Tellington Kurs vergangen, daher möchte ich dir ein kleines Feedback zu den Erfahrungen geben, die ich bisher zuhause mit unseren 3 Stuten sammeln konnte.
Die beiden Golden Girls mit 29 bzw 30 Jahren genießen den TTouch im Allgemeinen sehr. Kim – Jahrgang 1996, hoch im Blut stehend und nachwievor sehr hyperaktiv – war seit jeher äußerst berührempfindlich am Hals und Unterbauch. Während und nach den TTouches jedoch wirkt sie entspannt und zufrieden. Und trotz EOTRH mag sie den Maul-Touch an der oberen Zahnreihe besonders.
Die junge Stute zeigt sich nach der Anwedung diverser TTouches und dem Abstreichen mit dem Zauberstab deutlich gehoben im Brustkorb und gelöster in der gesamten Bewegung. Sie wirkt zufriedener in ihrem Körper und die neuerlernte Tellington Führposition scheint ihr dabei zu helfen, die Fragen des Menschen richtig zu interpretieren.
Gerdade an der Wirkung dieser habe ich ja ehrlich gesagt zu Beginn ein bissal gezweifelt aber was soll ich sagen…. „Change your mind“ & ein weiches Gesicht – und schon geht vieles so viel leichter.
Wie viel doch kleine Veränderungen bewirken können.
Bedanken möchte ich mich noch besonders für die Art, deine Kurse zu gestalten. Man begegnet sich zu 100% auf Augenhöhe. Die Tage sind geballt voll mit neuen Erfahrungen – und trotzdem herrscht eine absolut entspannte Atmosphäre!
Vielen Dank
Carolin“
Foto: Carolin und ihre junge Stute beim nonverbalen TTouch Gespräch
Für mich ist die Zeit mit den Pferden schon ein Geschenk.
Ja, noch immer, obwohl es schon Jahrzehnte mein Beruf ist. Ja, auch das Putzen – ich würde es mir nie von einem Praktikanten oder Azubi abnehmen lassen.
Es ist ein Teil meines Tages, auf den ich mich immer noch freue, wie schon als kleines Kind. Es hat für mich nichts an Magie verloren.
Eine Zeit, in der ich zur Ruhe komme, beobachte, spüre und einfach bei meinem Pferd sein kann.
Die Pferde verschönern mir meinen Tag.
Sie machen mich glücklich, verleihen mir Flügel und schenken mir ihre Freundschaft. Sie lassen mich staunen, fördern meine Kreativität und zeigen mir immer wieder, was liebevolles Handeln ist.
Dafür bin ich dankbar.
Und diese Dankbarkeit möchte ich ihnen immer zeigen, wenn ich bei ihnen bin. Auch schon beim Putzen.
Achtsam putzen
Deshalb gehört für mich das Putzen ganz selbstverständlich zur gemeinsamen, wertvollen Zeit.
Mit langen Strichen gleitet die Bürste über das Fell – Genusszeit. Ich freue mich, wenn es entspannt blinzelt oder sich zu mir umdreht, um in Kontakt zu gehen und seine Anerkennung für meine Achtsamkeit zu zeigen.
Dabei schaue ich schon hin:
Wie steht mein Pferd heute? Wie fühlt sich sein Körper an? Wo liebt es den Strich der Bürste, wo spannt es sich vielleicht darunter an? Wo sagt es mir, dass ich langsamer werden soll oder dass es gerade ein bisschen juckt?
Und bei jedem Strich denke ich:
„Spür die Verbindung in dir. All das bist du, dein Körper, fühle dich als Ganzes. Was für ein Prachtwerk der Natur. Ich liebe es, bei dir zu sein.“
Meine Intention kommt an. Das sieht man an den Augen, am Entspannen des Halses, am tieferen Atem.
Und beim späteren Arbeiten kann ich erkennen, wie diese Art des Putzens das Körpergefühl stärkt, das Bewusstsein für Verbindung im Körper.
Und es ist ein Dialog mit einem geliebten Lebewesen. Von Herz zu Herz.
Und natürlich merke ich auch, wie es mir selbst geht. Wenn der Dialog nicht so wirklich entsteht, mein Pferd zwar ruhig steht, aber nicht entspannt, dann bin ich zu schnell, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt.
Ich lasse mich lenken, werde ruhiger, atme selbst wieder in den unteren Rücken, bis ich sehe, dass das Pferd es auch tut. Wir kommen in mentale und physische Losgelassenheit.
Das ist so wertvoll – ein wichtiger Schritt für das Reiten mit Gelassenheit.
Putzen ist viel mehr als das Entfernen von Schmutz.
Es ist Verbindung.
Ich kann dann einem Pferd meine Aufmerksamkeit schenken und zuhören, wie es ihm heute geht.
Natürlich gibt es Tage, an denen vieles ansteht. Gerade dann finde ich es schön, die Zeit beim Pferd bewusst zu erleben.
Vielleicht sind es manchmal nur 20 Minuten. Für die Qualität dieser Zeit spielt die Länge keine Rolle, sondern ob ich präsent bin und zuhöre.
Ich möchte diese Zeit genießen und ich möchte, dass mein Pferd sie genießt.
Als kleines Dankeschön für all das, was mein Pferd mir immer wieder schenkt.
Ich bestimme seinen Tagesablauf, wo und mit wem es lebt, was es frisst und wann. Ich kontrolliere sein ganzes Sein und doch schenkt es mir seine Freundschaft und Zuneigung.
Und gerade beim Putzen erinnere ich mich gern daran, wie dankbar ich dafür bin. Jeder Bürstenstrich ist ein kleines Dankeschön.
Und so vertiefen wir unsere Bindung, mit jedem einzelnen Strich.
Ich freue mich immer sehr, wenn meine Schülerinnen das ebenso übernehmen und genießen, wie hier, @Grit Rother, die schon einige Jahre mit mir arbeitet, mit ihrer jungen Stute: