Wenn Kraft durch den Körper fließen kann …

Stell dir einen Dominoeffekt vor: Ein Steinchen gibt die Kraft an den nächsten weiter – und so setzt sich die Bewegung bis zum letzten Stein fort.

Ähnlich funktioniert es beim Gehen. Wenn der Fuß beim Auftreten Druck in den Boden gibt, entsteht eine Gegenkraft, die durch den Körper nach oben weitergeleitet werden kann – vom Fuß über die Gelenke bis hin zum Kopf.

Sowohl beim Mensch, als auch beim Pferd, vom Hinterhuf zum Genick

Damit das gelingt, braucht es eine gute Verbindung entlang dieser Kraftlinie. Die Gelenke müssen so aufeinander ausgerichtet sein, dass die Kraft ihren Weg durch den Körper fortsetzen kann.

Eine stabile Achse stärkt dabei nicht nur die Aufrichtung, sondern unterstützt auch die Knochen.

Doch wenn die Kraft auf ihrem Weg immer wieder auf Abweichungen oder Blockierungen trifft, funktioniert der Dominoeffekt nicht mehr. Die Kraft kann sich stauen – in einem Gelenk, das nicht gut ausgerichtet ist, und dort langfristig zu unnötiger Belastung und Verschleiß führen.

Gute Ausrichtung ermöglicht dem Körper, Kräfte sinnvoll weiterzuleiten – sodass Bewegung leichter, stabiler und effizienter werden kann.

Genau diese Zusammenhänge erleben wir bei @Bones for Life® in der Bewegung.

Und können uns so selbst besser ausrichten und ein Gefühl für die Ausrichtung des Pferdes entwickeln.

Bones for life® – aufrichten-stärken-genießen

#BonesForLife#Knochenstärke#Aufrichtung#Balance#Bewegung#Feldenkrais

Bones for life – Entwicklung in Minuten

Eigentlich weiß ich es ja – und erlebe es ständig. und doch fasziniert es immer wieder, wenn sic Dinge so schnell ändern.

Die Wirbelsäule richtet sich natürlich auf, ohne Spannung – und Schmerzen verschwinden oftmals augenblicklich.

Und doch hat es mich heute Morgen im Bones for Life®-Kurs wieder verblüfft.

Eine Teilnehmerin kam und berichtete von einem akuten Hexenschuss am Wochenende. Sie humpelte deutlich in den Raum.

Ich bereitete gerade das Bones-for-Life-Tuch vor, um es der Gruppe später zu zeigen, und bat sie, es einmal zu tragen.

Und ich war genauso verblüfft wie sie:

Die „Lahmheit“ war weg.

Sie ging plötzlich ganz normal.

Ich sagte: „Das muss ich filmen!“

Also nahm ich das Tuch wieder weg und sie humpelte in ihrer gewohnten Gangart noch einmal los.

Dann bekam sie das BfL-Tuch wieder.

Es gab ihr die Idee von echter Aufrichtung statt Streckung. Sie konnte spüren, wie ihr Rücken losließ und länger wurde – und plötzlich ging sie wieder normal.

Wir beide und die inzwischen dazugekommene zweite Schülerin waren erstaunt und begeistert.

Nach der Bones-for-Life-Stunde, in der sie weiter gelernt hatte, ihre Beingelenke gleichmäßig zu benutzen – Knie, Hüfte und Sprunggelenk –, ging sie schließlich auch ohne das Tuch schmerzfrei und gleichmäßig.

Einfach immer wieder schön und immer wieder faszinierend, wie wenig es manchmal braucht, um wieder ins Lot zu kommen.

Nicht mehr machen. Anders organisieren.

Und plötzlich kann Bewegung wieder leicht und schmerzfrei werden.

Fortsetzung: 4 Basics und Prüfung der Balance im Sattel

Die 4 Basics

Prüfe die 4 Basics während des Reitens immer wieder – vor allem in Übergängen, Richtungswechseln oder anspruchsvolleren Lektionen.

Wann immer etwas schwierig wird, dein Pferd nicht mehr so gut reagiert, du anfängst, dich zu ärgern – vielleicht auch über dich selbst – oder es einfach nicht mehr richtig rund läuft, fehlt mindestens einer der vier Bausteine.

Prüfe, welche dir leichtfallen und welche du schnell verlierst. Richte deine Aufmerksamkeit dann für eine Weile auf genau den Baustein, der dir am schnellsten verloren geht, und integriere ihn in alles, was du tust.

Wenn du einen dieser Bausteine zu 100 % in dein Reiten integrierst, wird sich dein Reiten um 50 % verbessern. Gerade das Reiten vieler Übergänge ist eine gute Möglichkeit, herauszufinden, welcher Baustein dir leicht abhandenkommt.

Mach ein Experiment

Reite einmal ganze Bahn und reite in den Mittelpunkten der langen und kurzen Seite Übergänge – zunächst einfach vom Schritt zum Halt und vom Halt wieder zum Schritt.

Beobachte dabei die Basics. Zuerst beim Anhalten, später auch beim Anreiten.

Bleiben deine Augen weich?

Fließt dein Atem weiter oder hast du nach dem Ausatmen aufgehört zu atmen?

Ist dein Schneemann aufrecht geblieben?

Bist du noch zentriert?

Du kannst auch eine ganze Runde reiten und den Übergang nur in deiner Vorstellung machen. Auch dann lassen sich die Basics wunderbar überprüfen. Du merkst schnell, wohin deine Augen gehen, ob der Atem stockt, ob der Schneemann kippt oder die Kugel wegrollt.

Finde den Punkt, der dir leicht verloren geht, und richte deine Aufmerksamkeit in den nächsten Runden immer wieder darauf. Integriere ihn in alles, was du tust.

Achte bei jedem Abwenden, jedem Tempowechsel und jeder Lektion darauf, dass dieser Baustein erhalten bleibt. Beobachte, wie viel leichter und fließender alles wird, wenn du ihn bewusst integrierst.

Vielleicht merkst du, dass dein Pferd leichter reagiert, taktmäßiger läuft, der Rücken besser hochkommt, du dich sicherer fühlst und ihr beide mehr und mehr in einen gemeinsamen Flow kommt.

Die Basics sind essenzielle Grundlagen für jede Form des Reitens und – abgesehen vom Schneemann – auch in der Bodenarbeit sinnvoll einsetzbar.

Viele denken, dass sie nur mit Ausatmen ihr Pferd durchparieren, doch wenn man den Schneemann beobachtet, kann man gut erkennen das er umkippt. Auch beim Führen 🙂

Und das dabei natürlich auch die Zentrierungskugel nach hinten rollt.

Das bedeutet dass das Pferd nicht auf den Atem reagiert, sondern auf die Beckenkippung.

Der 4. Baustein: Balance

Ein ausbalancierter Reiter ist für das Pferd leicht zu tragen und ermöglicht ihm, sich mühelos unter seinem Reiter zu bewegen. Das erhöht nicht nur das Wohlbefinden des Pferdes, sondern auch deine Sicherheit beim Reiten. Dein Pferd kann insgesamt gelassener sein und du bleibst, falls doch einmal etwas passiert, stabiler und besser im Gleichgewicht – beispielsweise wenn das Pferd plötzlich bremst oder zur Seite weicht.

Um zu überprüfen, ob du ausbalanciert sitzt, kannst du dir vorstellen, das Pferd verschwindet unter dir. Es löst sich einfach in Feenstaub auf. 🙂

Würdest du auf deinen Füßen landen?

Viele von euch kennen sicher die Schwerkraftlinie aus den klassischen Lehrbüchern der Deutschen Reitlehre: Kopf – Schulter – Becken – Ferse liegen in einer Linie. Das ist gut zu verstehen, aber oft nicht so leicht zu fühlen.

Ein hilfreiches Bild ist deshalb die Vorstellung, dass sich das Pferd unter dir auflöst. Wo würdest du landen? Auf den Füßen, auf dem Po oder würdest du nach vorne auf die Nase kippen?

Noch hilfreicher wird dieses Bild, wenn du dir vorstellst, nicht auf dem Boden, sondern auf einem Trampolin zu landen. Würdest du umkippen oder mühelos schwingend stehen bleiben?

Mit diesem Bild kannst du nicht nur auf der Geraden spielen, sondern auch in Wendungen und Seitengängen. Denn auch dort sollte der Reiter in seiner Schwerkraftlinie über dem Schwerpunkt des Pferdes bleiben.

Ein weiteres Bild ist der Schneemann. Stell dir drei Kugeln oder Schneebälle vor, die übereinandergesetzt werden. Sind sie gut ausbalanciert?

Die oberste Kugel hat ihren Mittelpunkt zwischen den Ohren, hinter der Nase – dort, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule sitzt. Ihr Radius reicht bis zu den Schultern. Dieser Schneeball ist also etwas größer als dein Kopf.

Das Zentrum der zweiten Kugel liegt in deiner Körpermitte. Ihr Radius reicht von den Schultern bis zu den Knien und ist damit deutlich größer als dein Rumpf.

Das Zentrum der dritten Kugel befindet sich am Balancepunkt des Fußes – dort, wo dein Fuß im Steigbügel steht. Der Radius reicht bis zum Knie und entsprechend weit Richtung Boden, also deutlich über deinen Körper hinaus.

Zeichnung

Sind die drei Kugeln schön übereinander, bist du in der idealen Linie.

Wenn du dir einen Ball nicht vorstellen kannst, liegt das meist daran, dass er nicht in der Linie ist. Häufig passiert das bei der unteren Kugel: Die Füße sind oft zu weit vorne. Schiebe dann das Zentrum der unteren Kugel – also den Balancepunkt mit dem Steigbügel – etwas weiter nach hinten. Vermutlich wirst du dann deinen dritten Ball finden.

Vielleicht hast du anfangs das Gefühl, deine Ferse käme dabei höher. Probiere es trotzdem aus. Filme dich eventuell dabei und überprüfe anschließend, ob dein Fuß vielleicht gerade jetzt wirklich parallel zum Boden war oder ob die Ferse tatsächlich höher stand. Manchmal täuscht uns unser Körpergefühl.

Sollte die Ferse tatsächlich höher kommen, stell dir beim nächsten Mal vor, dein Fuß steht auf einem Skateboard und du schiebst dieses nach hinten. Dadurch bleibt der Fuß meist besser parallel zum Boden.

Dieses schöne dreidimensionale Bild kannst du auch hervorragend in Wendungen mitnehmen. Beobachte dabei, ob dein Schneemann umkippt oder aufrecht stehen bleibt. Wenn du dich nach innen lehnst oder in der Hüfte abknickst, fällt der Schneemann um. Bleiben die drei Kugeln dagegen schön übereinander, bleibst du im Gleichgewicht und dein Pferd kann sich leichter biegen.

Das gilt natürlich auch für Seitengänge. Gerade dort neigt man leicht dazu, sich schief auf das Pferd zu setzen und dadurch seine Balance zu stören. Bleibt dein Schneemann auch hier aufrecht über der Wirbelsäule deines Pferdes, kann es sich durchlässiger und gleichmäßiger in allen Seitengängen bewegen.

Auch Übergänge lassen sich mit dem Schneemann hervorragend verbessern. Dabei kannst du deine Vorstellungskraft gezielt einsetzen.

Der 3. Baustein: Zentrieren und wachsen

Der 3. Baustein: Zentrieren und wachsen

Sally Swift nannte ihre Methode „Zentriertes Reiten“, weil ein großer Teil unserer Hilfengebung aus der Körpermitte entsteht.

Diese Körpermitte liegt zwei Finger unterhalb des Bauchnabels, vor der Wirbelsäule. In den asiatischen Bewegungskünsten wird dieser Bereich Dan Tien genannt.

Zentrieren bedeutet, den eigenen Körperschwerpunkt in diese Mitte zu bringen. Dadurch werden wir stabiler, beweglicher und müheloser – ohne unnötige Spannung.

Mach ein Experiment:

Setze dich auf einen Stuhl mit möglichst gerader Sitzfläche und rutsche etwas nach vorne, sodass deine Oberschenkel nicht mehr aufliegen. Nur so kann der Körper sich natürlich aufrichten.

Lege eine Hand auf den Bauch, Daumen auf den Nabel, kleiner Finger Richtung Schambein und eine gegenüber auf den Rücken. Stell dir vor, zwischen deinen Händen rollt eine kleine Kugel. Nicht größer als ein Tennisball, nicht kleiner als ein Golfball. Sie darf eine Farbe oder ein Material haben, das sich für dich gut anfühlt. Lass sie schließlich in der Mitte, vor deiner Wirbelsäule, etwas einsinken, wie in Sand – nicht mehr als die zwei Finger unterhalb des Bauchnabels.

Vielleicht spürst du:

✨ dein Rücken wird länger

✨ dein Atem wird freier

✨ du sitzt müheloser und aufrechter

Es gibt verschiedene Bilder, die beim Zentrieren helfen können:

🌱 eine Kugel in ihrem Nest

🌱 eine gefüllte Beckenschale, in die ein großer Ball fällt

🌱 eine Blume, die sich öffnet und strahlt

Wir finden für jeden eine passende Lösung.

Probiere es im Stehen, beim Gehen und schließlich im Sattel aus.

Pferde spüren sehr genau, wenn wir in unserer Balance sind. Oft verändert sie sich enorm, nur weilwir selbst unsere Mitte finden.

Und manchmal hilft zusätzlich das Erden:

Stell dir vor, aus deinen Füßen wachsen Wurzeln in die Erde, während dein Oberkörper wie ein Baum in den Himmel wächst – ohne Strecken, nur durch ein Zulassen von Länge.

(Das Posting dazu findet ihr in einem vorherigen Blog)

Zentrierung hilft nicht nur beim Reiten. Auch im Alltag werden Bewegungen leichter: beim Tragen, Schieben oder bei jeder Aufgabe, bei der du Kraft und Balance brauchst.

Finde deine Mitte – und entdecke, wie viel leichter Bewegung werden kann.
Nicht Muskelkraft gibt dir Stabilität, sondern eine gut organisierte Körpermitte. Wer aus seiner Mitte heraus weit wird, bewegt sich leichter – und macht es auch seinem Pferd leichter.

Foto aus einem Kurs „Besser reiten mit Feldenkrais“ KI optimiert