Der 4. Baustein: Balance
Ein ausbalancierter Reiter ist für das Pferd leicht zu tragen und ermöglicht ihm, sich mühelos unter seinem Reiter zu bewegen. Das erhöht nicht nur das Wohlbefinden des Pferdes, sondern auch deine Sicherheit beim Reiten. Dein Pferd kann insgesamt gelassener sein und du bleibst, falls doch einmal etwas passiert, stabiler und besser im Gleichgewicht – beispielsweise wenn das Pferd plötzlich bremst oder zur Seite weicht.
Um zu überprüfen, ob du ausbalanciert sitzt, kannst du dir vorstellen, das Pferd verschwindet unter dir. Es löst sich einfach in Feenstaub auf. ![]()
Würdest du auf deinen Füßen landen?
Viele von euch kennen sicher die Schwerkraftlinie aus den klassischen Lehrbüchern der Deutschen Reitlehre: Kopf – Schulter – Becken – Ferse liegen in einer Linie. Das ist gut zu verstehen, aber oft nicht so leicht zu fühlen.
Ein hilfreiches Bild ist deshalb die Vorstellung, dass sich das Pferd unter dir auflöst. Wo würdest du landen? Auf den Füßen, auf dem Po oder würdest du nach vorne auf die Nase kippen?
Noch hilfreicher wird dieses Bild, wenn du dir vorstellst, nicht auf dem Boden, sondern auf einem Trampolin zu landen. Würdest du umkippen oder mühelos schwingend stehen bleiben?
Mit diesem Bild kannst du nicht nur auf der Geraden spielen, sondern auch in Wendungen und Seitengängen. Denn auch dort sollte der Reiter in seiner Schwerkraftlinie über dem Schwerpunkt des Pferdes bleiben.
Ein weiteres Bild ist der Schneemann. Stell dir drei Kugeln oder Schneebälle vor, die übereinandergesetzt werden. Sind sie gut ausbalanciert?
Die oberste Kugel hat ihren Mittelpunkt zwischen den Ohren, hinter der Nase – dort, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule sitzt. Ihr Radius reicht bis zu den Schultern. Dieser Schneeball ist also etwas größer als dein Kopf.
Das Zentrum der zweiten Kugel liegt in deiner Körpermitte. Ihr Radius reicht von den Schultern bis zu den Knien und ist damit deutlich größer als dein Rumpf.
Das Zentrum der dritten Kugel befindet sich am Balancepunkt des Fußes – dort, wo dein Fuß im Steigbügel steht. Der Radius reicht bis zum Knie und entsprechend weit Richtung Boden, also deutlich über deinen Körper hinaus.
Zeichnung
Sind die drei Kugeln schön übereinander, bist du in der idealen Linie.
Wenn du dir einen Ball nicht vorstellen kannst, liegt das meist daran, dass er nicht in der Linie ist. Häufig passiert das bei der unteren Kugel: Die Füße sind oft zu weit vorne. Schiebe dann das Zentrum der unteren Kugel – also den Balancepunkt mit dem Steigbügel – etwas weiter nach hinten. Vermutlich wirst du dann deinen dritten Ball finden.
Vielleicht hast du anfangs das Gefühl, deine Ferse käme dabei höher. Probiere es trotzdem aus. Filme dich eventuell dabei und überprüfe anschließend, ob dein Fuß vielleicht gerade jetzt wirklich parallel zum Boden war oder ob die Ferse tatsächlich höher stand. Manchmal täuscht uns unser Körpergefühl.
Sollte die Ferse tatsächlich höher kommen, stell dir beim nächsten Mal vor, dein Fuß steht auf einem Skateboard und du schiebst dieses nach hinten. Dadurch bleibt der Fuß meist besser parallel zum Boden.
Dieses schöne dreidimensionale Bild kannst du auch hervorragend in Wendungen mitnehmen. Beobachte dabei, ob dein Schneemann umkippt oder aufrecht stehen bleibt. Wenn du dich nach innen lehnst oder in der Hüfte abknickst, fällt der Schneemann um. Bleiben die drei Kugeln dagegen schön übereinander, bleibst du im Gleichgewicht und dein Pferd kann sich leichter biegen.
Das gilt natürlich auch für Seitengänge. Gerade dort neigt man leicht dazu, sich schief auf das Pferd zu setzen und dadurch seine Balance zu stören. Bleibt dein Schneemann auch hier aufrecht über der Wirbelsäule deines Pferdes, kann es sich durchlässiger und gleichmäßiger in allen Seitengängen bewegen.
Auch Übergänge lassen sich mit dem Schneemann hervorragend verbessern. Dabei kannst du deine Vorstellungskraft gezielt einsetzen.

