Wir leben in einer Zeit, in der unglaublich viel über Reiten gesprochen, geschrieben und diskutiert wird.
Über Sitz, Hilfen, Biomechanik, Trainingsmethoden, die richtige innere Haltung und darüber, was richtig oder falsch ist.
Natürlich ist Wissen wertvoll. Ich liebe es, mich mit Zusammenhängen zu beschäftigen und Neues zu lernen.
Aber irgendwann kommt der entscheidende Moment:
Mach es.
Spür, was passiert.
Beobachte dein Pferd.
Filme dich. Schau dir an, was du wirklich tust.
Verändere eine Kleinigkeit.
Lass dich unterrichten – Feedback lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir gerade übersehen.
Verbessere dein Körpergefühl und spüre danach noch einmal – unvoreingenommen.
Denn zwischen einer Theorie und dem, was tatsächlich geschieht, liegt manchmal eine ganze Welt.
Vielleicht sitzt du anders, als du dachtest.
Vielleicht verändert eine kleine Bewegung plötzlich ganz viel im ganzen Pferd.
Vielleicht funktioniert eine Hilfe nicht, weil etwas anderes stört, das du gerade noch gar nicht bemerkst.
Das können wir nicht allein aus Büchern, Videos oder Diskussionen lernen.
Wir müssen ins Experiment gehen.
Nicht alles glauben, was wir lesen. Aber auch nicht alles ablehnen, was wir noch nicht verstehen.
Neugierig sein. Ausprobieren. Fühlen. Beobachten. Lernen.
Für mich ist genau das ein wesentlicher Teil des Reitens:
nicht nur zu wissen, was ich tun soll oder tun möchte, sondern immer besser wahrzunehmen, wie ich es tue und wie das Pferd es umsetzen kann.
Einen Unterschied zu spüren, zu sehen und zu erkennen – das ist für mich der wahre Weg zu lernen.
Und dann können wir uns entscheiden:
Was davon passt für mich und mein Pferd?
Was möchte ich übernehmen?
Und was möchte ich vielleicht ganz anders machen als das, was „die anderen“ sagen?
