Den Trab beginne ich gern im Entlastungssitz. Dafür nehme ich die Zügel etwas mehr auf, damit sie nicht zu stark schwingen. Ich lasse sie aber weiterhin lang – nur eben nicht hingegeben.
Der Entlastungssitz ist eine Sitzposition, bei der der Reiter den Oberkörper leicht nach vorne neigt und das Becken entsprechend nach hinten bringt. Man kann sich sogar vorstellen, man wolle sich hinter den Sattel setzen und dabei gerade so über dem Sattel schweben, damit man wirklich mit dem Schwerpunkt über dem des Pferdes bleibt.
Wie weit man sich nach vorne neigt oder ob man nahezu aufrecht bleibt, hängt sehr stark vom Pferd ab.
Bei einem Pferd mit wenig Rückenbewegung, wie einem Andalusier oder vielen Quarter Horses und Isländern, braucht es gegenüber dem Aussitzen nur eine geringe Veränderung. Reitet man dagegen ein Pferd mit viel Rückenbewegung, das gleichzeitig noch dazu neigt, auf der Vorhand zu laufen, muss man sich oftmals stärker einfalten, um die Bewegung durch den eigenen Körper schwingen zu lassen.
So verhindert man, nach vorne zu fallen und sich mit den Knien festzuhalten. Bleibt man selbst in der Mitte kommt auch schon so manches Pferd von der Vorhand ins Gleichgewicht.
Der Entlastungssitz wurde früher grundsätzlich zum Einreiten junger Pferde, der sogenannten Remonten, empfohlen und heißt deshalb auch Remontesitz.
Doch auch beim Traben über Stangen ist er grundlegend empfehlenswert oder beim Reiten in unwegsamem Gelände, um dem Pferd die Möglichkeit zu geben, seinen Rücken frei zu organisieren.
Und ebenso wie man damit den Rücken eines jungen, noch nicht trainierten Pferdes dazu bringen wollte, sich unter dem Reiter gut zu bewegen, kann man ihn auch bei Reitpferden einsetzen, deren Rückentätigkeit verbessert werden soll.
Außerdem ist es die Sitzart, die am schnellsten zu lernen ist, das Pferd am wenigsten stört und mit der man bereits sehr viel reiten kann – zumindest im Bereich der Grundlektionen.
Wenn Reitanfänger zu mir kommen, lernen sie diesen Sitz zuerst. Meist können sie schon am Ende der ersten Reitstunde damit locker und leicht durch die Bahn traben oder mit mir auf einem Handpferd ins Gelände reiten. Selbst wenn jemand mit 60 oder 70 Jahren zum ersten Mal auf dem Rücken eines Pferdes sitzt, kann das schnell und angenehm gehen – für alle Beteiligten.
Unsere Knochen sind lebendiges Gewebe. Sie reagieren auf Bewegung, auf leichten Druck und auf die Art, wie wir unseren Körper im Alltag benutzen.
Bones for Life® lädt dazu ein, genau das zu erforschen.
Mit einfachen, sanften Bewegungen entsteht mehr Bewusstheit für den eigenen Körper. Die Aufrichtung kann sich verändern, Bewegungen können leichter werden und Stabilität kann sich entwickeln.
Wir arbeiten mit Bewegung, leichtem Druck und manchmal auch mit einem langen Baumwolltuch.
Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Wahrnehmung:
Wie kann ich mich so bewegen, dass mein Körper sich gut organisiert?
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Das Foto zeigt Ruthy Alon, die Frau die Bones for life entwickelte und bis ins hohe Alter unterrichtet hat
Ich sehe so viele Pferde, die den Hals zu stark biegen, anstatt sich durch den ganzen Körper von Genick bis Schweif gleichmäßig zu biegen.
Dieses Bewegungsmuster führt zu Steifheit und ist ein häufiger Grund warum Versammlung unerreichbar bleibt.
Wenn die Wirbelsäule gleichmäßig ausgerichtet ist, kann Energie aus den Hinterbeinen durch die Wirbelsäule in deine Hände fließen, das Nervensystem kann zwischen Körper und Gehirn richtig kommunizieren, und das Pferd kann echte Freiheit in der Bewegung erleben.
„Weiche Augen“ unterstützen unsere Wahrnehmung für das ganze Pferd.
Ich unterstütze dich gern, Online oder im Seminar, das Gefühl und die Wahrnehmung zu entwickeln, wann dein Pferd reel gebogen ist, und wann es sich „verbiegt“
Danke, an @ucie Klaassen, das ich ihr Instagram Bild ins deutsche übersetzen und Teilen darf!!!
Die Sitzbeinhöcker heißen so, weil wir auf ihnen sitzen. Sie sind kufenartig geformt und geben uns dadurch die Möglichkeit, ein wenig nach vorne und hinten zu rollen, um uns zu strecken oder zu beugen. Aufrichtung ist dort, wo wir genau über ihnen sitzen.
Wenn du sie nicht gut spürst, kann das verschiedene Ursachen haben. Vielleicht ist dein Rücken angespannt und du sitzt etwas zu weit vorne oder hinten, oder du hältst deine Pobacken noch zu fest.
Und nein – kein Po ist zu dick, um die Sitzbeinhöcker zu spüren.
Wenn du sie nicht gut wahrnehmen kannst, rolle sehr langsam ein wenig nach vorne und nach hinten. Dabei musst du nicht nur das Becken bewegen. Du kannst den ganzen Körper wie ein umgedrehtes Pendel sanft nach vorne und hinten neigen.
Mach die Bewegung so groß wie nötig, aber nicht so groß wie möglich.
Für dein Pferd macht es einen großen Unterschied, wie du sitzt. Und wir dürfen daran denken, dass alles, was wir im Sattel tun, beim Pferd ankommt – auch wenn wir es durch den Sattel nicht immer unmittelbar wahrnehmen. Darum bewege dich achtsam.
Vielleicht findest du deine Sitzbeinhöcker durch dieses Rollen.
Falls das Rollen nicht hilft, spanne deine Pobacken einmal so fest an, wie du kannst, und halte die Spannung etwa sieben Sekunden, eventuell auch etwas länger. Danach lässt du einfach wieder los und spürst nach, was sich verändert hat.
Du kannst das natürlich wiederholen, wenn sich noch alles etwas diffus anfühlt. Vielleicht spürst du zunächst auch nur einen Sitzbeinhöcker. Dann probiere das Experiment noch einmal und spanne die Pobacken einzeln an.
Kannst du überhaupt beide Pobacken unabhängig voneinander anspannen und halten? Ist die eine Seite genauso leicht anzusteuern wie die andere? Das kann eine spannende Erfahrung sein, durch die du deine Einseitigkeit wahrnehmen – und auch verändern – kannst.
Spüre anschließend nach:
Sind beide Sitzbeinhöcker gleich deutlich?
Fühlt sich einer spitzer oder flacher an?
Sind beide gleich weit von der Wirbelsäule des Pferdes entfernt?
Ist einer weiter vorne als der andere?
Wirklich balanciert sitzt du dann, wenn sich beide Sitzbeinhöcker gleich anfühlen, gleich weit von der Wirbelsäule des Pferdes entfernt sind und auf einer Linie nebeneinander liegen.
Und dort dürfen sie während des gesamten Reitens bleiben: mittig in Relation zum Pferd und aufrecht in Relation zu deiner Wirbelsäule.
In meinen Kursen finde ich immer ganz individuelle Lösungen für jeden Einzelnen. Auch im Online Unterricht stelle ich dir meinen Werkzeugkoffer gern zur Verfügung.
Ein ausbalancierter Reiter ist für das Pferd leicht zu tragen und ermöglicht ihm, sich mühelos unter seinem Reiter zu bewegen. Das erhöht nicht nur das Wohlbefinden des Pferdes, sondern auch deine Sicherheit beim Reiten. Dein Pferd kann insgesamt gelassener sein und du bleibst, falls doch einmal etwas passiert, stabiler und besser im Gleichgewicht – beispielsweise wenn das Pferd plötzlich bremst oder zur Seite weicht.
Um zu überprüfen, ob du ausbalanciert sitzt, kannst du dir vorstellen, das Pferd verschwindet unter dir. Es löst sich einfach in Feenstaub auf.
Würdest du auf deinen Füßen landen?
Viele von euch kennen sicher die Schwerkraftlinie aus den klassischen Lehrbüchern der Deutschen Reitlehre: Kopf – Schulter – Becken – Ferse liegen in einer Linie. Das ist gut zu verstehen, aber oft nicht so leicht zu fühlen.
Ein hilfreiches Bild ist deshalb die Vorstellung, dass sich das Pferd unter dir auflöst. Wo würdest du landen? Auf den Füßen, auf dem Po oder würdest du nach vorne auf die Nase kippen?
Noch hilfreicher wird dieses Bild, wenn du dir vorstellst, nicht auf dem Boden, sondern auf einem Trampolin zu landen. Würdest du umkippen oder mühelos schwingend stehen bleiben?
Mit diesem Bild kannst du nicht nur auf der Geraden spielen, sondern auch in Wendungen und Seitengängen. Denn auch dort sollte der Reiter in seiner Schwerkraftlinie über dem Schwerpunkt des Pferdes bleiben.
Ein weiteres Bild ist der Schneemann. Stell dir drei Kugeln oder Schneebälle vor, die übereinandergesetzt werden. Sind sie gut ausbalanciert?
Die oberste Kugel hat ihren Mittelpunkt zwischen den Ohren, hinter der Nase – dort, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule sitzt. Ihr Radius reicht bis zu den Schultern. Dieser Schneeball ist also etwas größer als dein Kopf.
Das Zentrum der zweiten Kugel liegt in deiner Körpermitte. Ihr Radius reicht von den Schultern bis zu den Knien und ist damit deutlich größer als dein Rumpf.
Das Zentrum der dritten Kugel befindet sich am Balancepunkt des Fußes – dort, wo dein Fuß im Steigbügel steht. Der Radius reicht bis zum Knie und entsprechend weit Richtung Boden, also deutlich über deinen Körper hinaus.
Zeichnung
Sind die drei Kugeln schön übereinander, bist du in der idealen Linie.
Wenn du dir einen Ball nicht vorstellen kannst, liegt das meist daran, dass er nicht in der Linie ist. Häufig passiert das bei der unteren Kugel: Die Füße sind oft zu weit vorne. Schiebe dann das Zentrum der unteren Kugel – also den Balancepunkt mit dem Steigbügel – etwas weiter nach hinten. Vermutlich wirst du dann deinen dritten Ball finden.
Vielleicht hast du anfangs das Gefühl, deine Ferse käme dabei höher. Probiere es trotzdem aus. Filme dich eventuell dabei und überprüfe anschließend, ob dein Fuß vielleicht gerade jetzt wirklich parallel zum Boden war oder ob die Ferse tatsächlich höher stand. Manchmal täuscht uns unser Körpergefühl.
Sollte die Ferse tatsächlich höher kommen, stell dir beim nächsten Mal vor, dein Fuß steht auf einem Skateboard und du schiebst dieses nach hinten. Dadurch bleibt der Fuß meist besser parallel zum Boden.
Dieses schöne dreidimensionale Bild kannst du auch hervorragend in Wendungen mitnehmen. Beobachte dabei, ob dein Schneemann umkippt oder aufrecht stehen bleibt. Wenn du dich nach innen lehnst oder in der Hüfte abknickst, fällt der Schneemann um. Bleiben die drei Kugeln dagegen schön übereinander, bleibst du im Gleichgewicht und dein Pferd kann sich leichter biegen.
Das gilt natürlich auch für Seitengänge. Gerade dort neigt man leicht dazu, sich schief auf das Pferd zu setzen und dadurch seine Balance zu stören. Bleibt dein Schneemann auch hier aufrecht über der Wirbelsäule deines Pferdes, kann es sich durchlässiger und gleichmäßiger in allen Seitengängen bewegen.
Auch Übergänge lassen sich mit dem Schneemann hervorragend verbessern. Dabei kannst du deine Vorstellungskraft gezielt einsetzen.